Interview mit Johannes B. Kerner (Moderator)

HAMBURG, 5. April - NaKids-Junior-Chefredakteur Henrik Heitmann (12) hatte am Freitag einen besonderen Interviewtermin: Er besuchte im Studio Hamburg den bekannten ZDF-Talkmaster, Sportmoderator und Sportreporter Johannes B. Kerner. Vor der Aufzeichnung seiner Sendung, bei der unter anderen auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zu Gast war, nahm sich der sympathische Fernsehjournalist richtig viel Zeit für Henrik und seine Interview-Fragen.

Sie haben Betriebswirtschaftslehre studiert. Wann wussten Sie, dass Sie lieber Journalist werden wollten?
Das habe ich schon als Kind und Jugendlicher gewusst. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) habe ich nur angefangen, weil mein Vater das gerne wollte. Es war mehr so ein elterlicher Wunsch- weil die gesagt haben, erst `was Ordentliches lernen, dann habe ich halt BWL studiert, aber ich habe während des Studiums auch schon als Reporter gejobbt. Ich habe nicht ganz so früh angefangen wie du, aber auch relativ früh.

Wie war der bisherige Verlauf Ihrer journalistischen Karriere?
Ja, also es fing so an, dass ich mit 21 Jahren , also das war 1986, ein Praktikum beim Sender Freies Berlin gemacht habe. Der Sender Freies Berlin ist die Landesrundfunkanstalt der ARD in Berlin, also so etwas wie der NDR hier im Norden ist der SFB in Berlin. Das Praktikum habe ich in der Sportredaktion gemacht, und da bin ich da so hängen geblieben. Dann bin ich später zu SAT 1, da habe ich die ran- Sendung moderiert, von 1992 bis 1997. Danach bin ich zum ZDF gegangen. Beim ZDF moderiere ich das ZDF- Sportstudio, kommentiere Fußballspiele bei Weltmeisterschaften und bei Europameisterschaften und moderiere die Jahresabschlusssendung "Menschen" und natürlich meine Talkshow.

Wie lange arbeiten Sie am Tag?
Es ist ganz unterschiedlich. Im Schnitt würde ich sagen: ungefähr 60 Stunden in der Woche. Ja, das ist relativ viel, aber so ehrlich muss man sein, wenn man einen Job hat, der einem Spaß macht, dann ist die Zeit gar nicht das Problem. Also, wenn man wirklich einen Job hat, den man total gerne macht, ist es kein Problem, weil ich es gar nicht als Arbeit, Plackerei oder mühsame Betätigung empfinde, sondern mir macht das ja Freude. Hier zum Studio fahre ich total gerne, weil ich weiß, da ist meine Sendung, da werde ich geschminkt, da ziehe ich etwas Schönes an, da habe ich interessante Gesprächspartner, Auch heute sind es wieder total interessante Leute, da komme ich natürlich gerne her.

Wann müssen Sie mit der Vorbereitung auf so eine Johannes B. Kerner- Show beginnen?
Also ich mache es ja nicht alleine. Ich könnte das auch gar nicht alles allein, alle einladen, mich auf alles vorbereiten. Wir sind ein großes Team von Redakteuren, die arbeiten mir zu. Die beginnen mit der Arbeit schon viel früher als ich. Mit der Arbeit für die heutige Sendung zum Beispiel habe ich ungefähr vor 10 Tagen begonnen. Da wusste ich dann, wer herkommt, wer zugesagt hat, habe dann Informationen über die Leute bekommen, dann lese ich das alles, und ganz konkret mache ich es dann erst am Sendetag. Ich war heute Morgen um 10.00 Uhr in meiner Firma in der Stadt. Dort haben wir ein Büro, dort haben wir über die Sendung gesprochen, welche Fragen wir stellen wollen.

Sind alle Shows, die Sie machen, aufgezeichnet?
Nein, nicht alle, aber viele. Die tägliche Sendung hier ist aufgezeichnet, und zwar immer am Tage selbst. Das heißt, sie läuft abends um 23 Uhr im Fernsehen, und sie wird ungefähr abends um 18 Uhr im Studio aufgezeichnet. Dafür gibt es mehrere Gründe: 1. Wir sind ja eine Sendung, die hat Zuschauer, und abends um 23 Uhr unter der Woche Leute hier in das Studio Hamburg zu kriegen, das ist nicht so leicht, weil die natürlich auch am nächsten Morgen dann arbeiten müssen. 2. Viele meiner Gäste möchten nach der Sendung wieder nach Hause, die müssen den Flieger nach München oder Köln kriegen, die müssen mit dem Auto noch nach Berlin, also die wollen wieder weg. Heute Abend ist der Bundestagspräsident hier, der zweite Mann bei uns im Staat, der kommt mit Sicherheit mit einem dicken Mercedes, aber abends um 21 Uhr will er dann wieder in Berlin sein. Vielleicht muss er noch arbeiten oder er hat noch andere Termine. Und deshalb haben wir eine Aufzeichnungszeit 18 Uhr.

Sie sind mein großes Vorbild. Haben Sie selbst ein Vorbild?
Das ist aber lieb, dass ich dein Vorbild bin. Das ist ja schon mal ein großes Kompliment. Ich habe selbst komischer Weise nicht so ein konkretes Vorbild. Also so einen, wo ich sage, genau so will ich sein. Dafür mache ich es auch schon zu lange. Ich bin jetzt schon 16 Jahre in dem Job, bin ja jetzt kein blutjunger Anfänger mehr. Und ich habe kein wirkliches Vorbild. Es gibt Leute, die ich total gut finde, in dem was sie machen. Also da gab es mal einen Nachrichtenmann, der hieß Hans- Joachim Friedrichs, dass war für mich jemand, der das total perfekt gemacht hat. Ich finde bestimmte Sachen von Günther Jauch total gut. Sportreporter, da gibt es Marcel Reif, das ist ein ganz toller Fußballkommentator, den finde ich auch ganz gut. Ich orientiere mich immer an bestimmten Leuten. Ich denke immer: Verbessern kann ich mich nur, wenn ich mich an den Besseren orientiere.

Haben sie schon mal daran gedacht, eine Kindersendung oder sogar eine Familiensendung wie Thomas Gottschalk zu moderieren?
Ich habe schon mal Shows moderiert, prinzipiell macht es mir auch totalen Spaß, auch mit Kindern oder jungen Leuten zu tun zu haben, ich glaube aber, dass meine Kernkompetenz , sozusagen das was ich am besten kann, etwas anderes ist. Ich bin nicht so ein Typ, der rausgeht und sagt: "Guten Abend Berlin!" Und dann vor 1500 Menschen, so bin ich nicht. Ich bin eher für so ein Gespräch, so wie wir beide es jetzt führen. Ich kann mich dann besser einstellen auf ein Gegenüber, ich will auch gar nicht so gerne Witze erzählen für die Leute, ich bin ja nicht irgendwie so ein Witzemann wie Harald Schmidt oder so, sondern mir ist an der ernsthaften Gesprächsführung gelegen, und das kann ich in der Situation besser, als wenn dann noch tausend Leute drumherum sitzen.

Sie moderieren das ZDF-Sportstudio. Welches ist Ihr Lieblingsfußballverein?
Das darf man ja eigentlich gar nicht sagen, weil man dann ja nicht mehr neutral ist. Aber ich will mal das Tabu brechen: Mein Lieblingsverein ist Hertha BSC Berlin.

Haben Sie selbst mal Fußball gespielt?
Waren sie ein guter Fußballer?

Ja, habe ich auch, lange sogar, in der Jugend. In der Nähe von Bonn, wo ich groß geworden bin. Da habe ich im Verein gespielt. Ich war auch nicht der Schlechteste, leider war ich aber auch nicht der Beste. Sonst müsste ich ja nicht solche Sendungen machen, sondern könnte von dem Angesparten leben, weil ich Fußballprofi war.

Wie waren sie in der Schule?
In bestimmten Sachen ziemlich gut und in bestimmten Sachen ziemlich schlecht. Ich war in Sport und Musik gut, ich war in Deutsch und in Fremdsprachen gut, Englisch war ich gut, Französisch war ich gut, ich war katastrophal in Mathematik. Und nicht besonders gut in allen Naturwissenschaften. Biologie ging noch, Chemie und Physik war ähnlich wie Mathematik.

Wie viele Sprachen sprechen sie?
Ich spreche leidlich deutsch, ich spreche englisch, französisch ein bisschen und spanisch gut.

Ihre Frau ist Hockey- Nationalspielerin. Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?
Es ist ja wenigstens einer in der Familie, der es zu etwas gebracht hat. Das ist ja schon mal ganz gut. Meine Frau habe ich 1996 in Leipzig kennengelernt, auf einer Veranstaltung von Opel. Meine Frau wurde von Opel gesponsert, und ich habe für Opel diese Veranstaltung moderiert. Da habe ich meine Frau interviewt. Da habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Dann ließ sie mich nicht mehr los, besser gesagt, ich ließ sie nicht mehr los!

Haben sie Ahnung von Hockey?
Ja, mittlerweile schon. In der Zwischenzeit habe ich ein paar Spiele gesehen, gar keine Frage. Nationale Spiele, internationale Spiele, Hallenhockey, Feldhockey, aber ich darf niemals den Fehler begehen, gegenüber meiner Frau zu behaupten, ich hätte Ahnung von Hockey, dann sagt sie immer: "Was hast du? Du hast ja schon von Fußball keine Ahnung, jetzt rede nicht über Hockey!"

Haben Sie eigentlich Zeit für Ihre beiden Kinder?
Naja, das ist so ein Kompromiss, den man im Leben eingeht. Und das ist nicht besonders angenehm. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mich zu wenig um die Kinder kümmere. Das muss sich auch ändern. Weil ich auch gerne und viel arbeite, aber- ich werde mich verstärkt um die Kinder kümmern, keine Frage.

Sind sie ein strenger Vater?
Auch ganz witzig und interessant: ICH denke, ich bin mehr so antiautoritär, mehr so ein "lascher" Vater, so ein "Schmusepapa". Meine Frau und Freunde im Umfeld finden Komischer Weise, dass ich ziemlich streng bin. Also die objektive Wahrnehmung und die subjektive Wahrnehmung sind da nicht deckungsgleich. Da muss man noch dran arbeiten. Ich glaube, ich bin ein bisschen streng. Weil ich immer sage: Klare Ansagen, und die müssen eingehalten werden!

Sicherlich sind Sie mit Promis befreundet. Mit wem?
Soll ich ganz ehrlich sein? Mit nicht so vielen. Ich treff’ zwar viele und lerne auch viele kennen, das ist auch in den meisten Fällen ganz interessant, aber jetzt befreundet? Das kann man nicht sagen. Also ich habe ein sehr gutes Verhältnis mit Reinhold Beckmann, das ist ein Kollege, der auch eine Talkshow hat, auch ein Sportreporter, der war ja mal mein Chef bei SAT 1, mit dem verstehe ich mich gut. Befreundet? Also ich kenne Thomas Gottschalk recht gut, Günther Jauch und Kai Pflaume. Das sind so die, bei denen ich am ehesten sagen würde, dass wir- na ja, befreundet ist ein großes Wort- aber wir kennen uns recht gut. Kai Pflaume treffe ich auch schon mal im Urlaub, mit den anderen gehst du schon mal Essen oder mal Frühstücken. Es ist aber nicht so, dass wir ewig aufeinander hängen. Wir haben ja auch alle viel zu tun.

Was ist Ihr größter privater Wunsch?
Das meine kleine Familie zusammen bleibt. Das wäre das schönste, was es gibt. Und dass wir alle unversehrt bleiben, gesund.

Was ist ihr größtes berufliches Ziel?
Beruflich ist nicht mehr so wichtig. Ich möchte einfach die Begeisterung, die ich für den Job habe, erhalten. Ich möchte möglichst lange das, was ich mache, gerne machen. Weil nichts ist ekeliger, als wenn du einen Job machen musst, der dir keinen Bock bringt. Das ist echt schlecht. Also, wenn ich merke, das macht mir keinen Spaß mehr, dann höre ich auf.

Vielen Dank für das Interview und recht herzlichen Dank, dass Sie Zeit für mich hatten.
Kein Problem, sehr gerne sogar!

Veröffentlicht: nordaktuell.de, 13. April 2003

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