Interview mit Thomas Doll (Trainer Hamburger Amateure)
„Ich habe nicht an Republikflucht gedacht!“
Sie hatten gestern Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Was wünschen Sie sich für das neue Lebensjahr?
Am meisten wünsche ich mir natürlich Gesundheit. Wenn ich an den Sport denke, wünsche ich mir, dass sich meine Mannschaft so schnell wie möglich genug Punkte sichert.
Sie sind nach dem Fall der Mauer in den Westen gekommen. Haben Sie jemals an Republikflucht gedacht?
Nein!
Was war Ihre erste größere Anschaffung im Westen?
Oh, das ist ja schon so lange her, da muss ich erst mal überlegen... Es war eine Stereoanlage!
Lok Malchin, Hansa Rostock, Dynamo Berlin, HSV, Lazio Rom, Eintracht Frankfurt, AS Bari – alles Stationen Ihrer Fußballprofi- Karriere. Für welchen Verein haben Sie am liebsten gespielt?
Es gab mehrere Vereine, für die ich sehr, sehr gerne gespielt habe. Hansa Rostock, da bin ich dort groß geworden und habe den Sprung von der Jugend- in die Herrenmannschaft geschafft, der Hamburger SV, meiner ersten Station, nachdem die Mauer gefallen war und Lazio Rom, denn im Ausland machte ich dann weitere neue Erfahrungen. Ich hatte sehr, sehr schöne Zeiten bei diesen Vereinen.
Wie haben Sie sich gefühlt , als Sie einer der besten ausländischen Spieler in Italien waren?
Stolz, ich war sehr stolz! Aber dafür hat man ja auch jahrelang hart gearbeitet.
Nach Ihrer Karriere als Fußballspieler wurden Sie Trainer bei den Amateuren des HSV. Können Sie sich vorstellen, auch eine andere Mannschaft außer den HSV zu trainieren? Vielleicht bei den Profis?
Zur Zeit nicht. Ich bin noch in meinen Lehrjahren. Ich fühle mich sehr wohl beim Hamburger SV. Ich habe hier eine Aufgabe, die mir unglaublich Spaß macht.
Nun zum Trainer Thomas Doll und zum Spiel Ihrer Mannschaft bei Holstein Kiel. Wie haben Sie Ihr Team auf das Spiel bei der KSV Holstein vorbereitet?
Eigentlich wie auf alle anderen Spiele auch. Wir beschäftigten uns schon die Woche über mit dem Gegner. Wir arbeiteten im taktischen Bereich und stellten die Mannschaft so ein, dass sie beim Spiel mit Selbstvertrauen aufläuft. Wir hatten vor dem Spiel in Kiel eine harte Woche, da wir noch dienstags gegen Wuppertal spielten. Das Training mussten wir entsprechend dosieren, es blieben gar nicht so viele Trainingseinheiten übrig. Die Jungs mussten nach dem Spiel gegen Wuppertal frisch bleiben, und das nicht nur vom Kopf, sondern auch von den Beinen her. Wir freuen uns auf Kiel, das schöne Stadion, das gute Publikum!
Was muss sich bei Ihrer Mannschaft ändern?
Zur Zeit eigentlich nur wenig, weil wir einen sehr, sehr guten Lauf haben. Wir müssen aber mehr Tore schießen.
Das Hinrundenspiel zwischen Holstein Kiel und HSV (A) endete 1:1. Glauben Sie, dass Ihre Mannschaft diesmal wieder nicht verlieren wird?
Davon bin ich überzeugt. Wir haben dort im letzten Jahr auch nicht verloren, sondern unentschieden gespielt.
Wie lautet Ihr Tipp?
Ich tippe nicht!
Welchen Platz wird Ihre Mannschaft am Ende der Saison erreichen?
Das ist mir eigentlich egal! Wichtig ist, dass wir über dem Viertletzten sind!
Welchen Platz wird Holstein Kiel nach Ihrer Einschätzung am Ende der Saison einnehmen?
In Kiel ist man gerade dabei, etwas Neues aufzubauen. Holstein Kiel wird auch die Klasse erhalten und sicherlich sogar einige Plätze vor uns liegen. Und das ist schön, eine weitere Mannschaft aus dem Norden, die Fahrt ist für uns nicht so weit. Außerdem kenne ich einige Spieler aus dem Kader. Es macht immer wieder Spaß, in Kiel zu spielen.
Vielen Dank für das Interview. Ihrer Mannschaft weiterhin viel Erfolg und gute Anreise.
Vielen Dank und alles gute für deine Journalistenkarriere.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 10. April 2004