Interview mit Christoph John (1. FC Köln Amateurtrainer)
Top – Favorit für den Abstieg sind wir!“
1. FC Köln Amateurtrainer Christoph John im Interview
Christoph John ist seit dem 1. Juli 2000 Trainer unseres heutigen Gegners, dem 1. FC Köln II. Unser Holstein Magazin- Mitarbeiter Henrik Heitmann hatte die Gelegenheit, am frühen Morgen (!) nach dem klaren 5:0- Erfolg der Kölner Nachwuchstruppe gegen die Werksmannschaft von Bayer Leverkusen II dem „ausgeschlafenen“ Gästetrainer Christoph John einige interessante Fragen zu stellen.
Herr John, beide bedeutsamen Mannschaften des 1. FC Köln, nämlich die Bundesligamannschaft und Ihre Regionalligamannschaft, stehen auf Abstiegsplätzen. Was ist mit dem 1. FC Köln los?
Das darf man nicht in einen Topf werfen. Die Mannschaften haben ganz unterschiedliche Ziele. Unsere Bundesligamannschaft ist unser Aushängeschild. Die Truppe will nach dem Aufstieg im letzten Sommer unbedingt den Klassenerhalt in der 1. Liga schaffen.
Das Ziel meiner Regionalligamannschaft ist primär ein anderes: zwar wollen wir wie in den letzten Jahren auch den Klassenerhalt in der Regionalliga schaffen; Priorität hat bei uns aber die „Produktion“ von neuen guten Lizenzspielern, die in den Kader der ersten Mannschaft aufrücken können und hier dann eine Verstärkung darstellen. Dies ist uns in den vergangenen Jahren ganz gut gelungen. Jetzt haben wir mit unserer Nachwuchsmannschaft in der Regionalliga Probleme, die Klasse zu erhalten. Das ist angesichts des Ausbildungsziels halt unser Risiko. Aber wir werden an dieser Marschrute festhalten und weiterhin junge deutsche Spieler fördern, die dann Stammspieler in der Bundesliga werden können oder gar in den Kreis der Nationalmannschaft vorstoßen können. Wir werden nicht - wie z.B. Holstein Kiel oder auch andere Mannschaften – ausländische Kicker oder erfahrene, ältere ehemalige Bundesligaspieler holen, um unsere Spiele zu gewinnen. Das macht für die Zielsetzung von Kiel o.k. sein, für unsere aber nicht.
Im letzten Sommer ist Michael Niedrig vom 1. FC Köln zur KSV Holstein gewechselt. Was sagen Sie über Ihren ehemaligen Schützling?
Michael Niedrig hat beim 1. FC Köln von der Jugend an alle Mannschaften durchlaufen und war über 12 Jahre „mein“ Kapitän. Er besitzt große fußballerische Qualitäten und ist in der Lage, eine Mannschaft zu führen. Das hat er in Köln oft genug bewiesen. Durch sein Weggang ist bei uns ein Vakuum entstanden.
Michael hätte beim 1. FC Köln sicher auch noch seine Chance bekommen. Ich habe aber Verständnis für seinen Wechsel nach Kiel. Schade nur, dass Holstein jetzt so ein bischen abgestürzt ist. Ich wünsche Michael jedenfalls alles Gute!
Wo liegen die Stärken und Schwächen Ihrer Mannschaft?
Wir sind einfach unberechenbar- und das ist sowohl positiv als auch negativ zu sehen.
Wir haben technisch gut ausgebildete Spieler. Die Situation ist z.Z. besser als in den letzten Jahren.
Negativ ist, dass meine Spieler häufiger einmal ein „Blackout“ haben und wir so durch individuelle Fehler Spiele verlieren. Außerdem kommt bei uns manchmal, wenn wir in Führung liegen, Euphorie auf, wir werden leichtsinnig und fangen uns dann Gegentore ein.
Worin sehen Sie die Stärken von Holstein Kiel?
Holstein Kiel ist eine sehr routinierte Mannschaft. Jeder einzelne Spieler ist in der Entwicklung weiter als die Spieler in meiner Truppe. Kiel spielt nicht immer attraktiv, dafür aber sehr effektiv. Bei Standardsituationen in Tornähe besteht immer Gefahr.
Schaffen Sie mit Ihrer Mannschaft den Klassenerhalt in der Regionalliga?
Wenn man sich die Tabelle anschaut und rational überlegt, kann die Antwort eigentlich nur lauten: „Nein!“
Aber die Hoffnung bleibt natürlich, dass wir das Unmögliche, nämlich den Klassenerhalt, schaffen. Das im Fußball alles möglich ist, haben wir ja im Hinspiel gegen Kiel gesehen, als wir einen 0:2- Rückstand mit nur 9 Mann in nur 6 Minuten in einen 3:2- Sieg drehen konnten.
Wir müssen noch viele, viele Spiele gewinnen…!
Wer steigt in die 2. Bundesliga auf, wer steigt aus der Regionalliga ab?
Meine Aufstiegsfavoriten sind Rot- Weiß Essen, das sich punktuell sehr gut verstärkt hat und jetzt stabilisiert auftritt, sowie Carl Zeiss Jena, die Mannschaft der Stunde. Es bleibt abzuwarten, ob die beiden Teams noch Schwächephasen durchlaufen. Der FC St. Pauli, Holstein Kiel und der VfB Lübeck schwächeln ja bereits und können nur hoffen, dass Essen und Jena noch einmal einbrechen.
Top- Favorit für den Abstieg sind wir! Zum Kandidatenkreis zählen weitere 8 bis 9 Mannschaften, die unten drin stecken. Bedauerlicherweise sind einige zweiten Mannschaften darunter, die Schwierigkeiten haben, mit ihren jungen Spielern die Klasse zu erhalten.
Die WM in Deutschland steht vor der Tür. Werden Sie sich Spiele im Stadion anschauen?
Ich bin natürlich begeistert, dass die WM im eigenen Land vor der Tür steht. Die Spiele werde ich mir aber wahrscheinlich nicht im Stadion, sondern am Fernseher im Ausland anschauen. Denn in den letzten 10 Jahren hatte ich nie mehr als 1 Woche Urlaub, jetzt können es 2 Wochen werden- und darauf freue ich mich schon!
Das Interview mit Trainer Christoph John führte Henrik Heitmann.
Steckbrief
Geburtsdatum: 24.12.1958
Geburtsort: Heidenheim
Aktiv bei: Heidenheimer Sportbund, 1. FC Köln (A)
Sportliche Erfolge:
1995: Mittelrheinmeister mit 1. FC Köln U17
1998: Mittelrheinpokalsieger mit 1. FC Köln U19 Teilnahme am kicker-Pokal
2002: Meister Oberliga Nordrhein mit 1. FC Köln U23, Aufstieg in die Regionalliga Nord
Trainertätigkeiten:
1983: Erwerb der Fussballehrer-Lizenz
1982 – 1986: Nachwuchstrainer 1. FC Köln
1986 – 1995: Div. Trainer- und Sportlehrertätigkeiten sowie Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln
1995 – 1998: A- und B-Jugendtrainer 1. FC Köln 28.1. – 14.2.2002: Trainer 1. FC Köln
Seit 1998: U23-Trainer 1. FC Köln
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 8. April 2006