Interview mit Hannes Bongartz (Trainer Wattenscheid 09)

Ihre Mannschaft hatte eine längere Winterpause, da das erste Restrundenspiel in Wuppertal ausgefallen ist. Wie haben Sie Ihre Truppe auf die nächsten Spiele vorbereitet?
Wir haben sehr konzentriert gearbeitet. Der Verein hat uns ein Trainingslager in Portugal ermöglicht, das sehr gut angekommen ist. Wir müssen vor allen Dingen, da wir auf dem Abstiegsplatz stehen, sofort gut aus den Startlöchern kommen. Dass das Spiel gegen Wuppertal ausgefallen ist, war nicht so gut für uns. Jetzt haben wir gleich ein „sechs Punktespiel“ gegen den HSV.

Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf der Vorbereitung?
Im großen und ganzen: Ja. Der Ausfall vom Torjäger Alex Löbe ist für uns ganz schwer zu kompensieren. Er wird mit Sicherheit noch 14 Tage ausfallen.

Ihre Mannschaft hat zum Beginn der Restrunde mit 39 Gegentoren die schwächste Abwehr. Nur Schalke fing genauso viele Tore. Wie wollen Sie das verbessern?
Verbessern kann man das, indem die ganze Mannschaft nach hinten besser mitarbeitet. Das hat nicht nur mit Abwehr zu tun. Wir haben darüber hinaus in der Winterpause mit Michael Joswig vom SC Paderborn einen neuen Torwart mit Regionalliga - Erfahrung verpflichtet. Ich hoffe, dass er uns auch weiterhilft.

Sie stehen momentan auf dem 15. Platz, einem Abstiegsplatz. Kriegt Ihre Mannschaft noch die Kurve oder steigt sie ab?
Unsere Mannschaft kriegt hundertprozentig noch die Kurve! Die Qualität ist vorhanden. Wir hatten in der Hinrunde sehr viel Verletzungspech, und ich merke auch jetzt in der Vorbereitung, dass ein anderer Geist in der Truppe herrscht.

Würden Sie Wattenscheid 09 auch in der Oberliga trainieren?
Nein, das käme auf keinen Fall in Frage.

Haben Sie Angst um Ihren Trainerposten?
Nein, das hab ich nicht. Wir halten die Klasse und dazu werde ich beitragen.

Wie steht’s denn um die finanzielle Lage des Vereins?
Wir sind nicht auf Rosen gebettet. In den letzten Jahren mussten wir immer kürzertreten. Jetzt haben wir wieder Probleme und müssen noch einmal abspecken. Das bedeutet natürlich Substanzverlust. Wir müssen immer unsere besten Leute abgeben, dann steht man plötzlich so da.

Wattenscheid 09 und der FC Schalke 04 wollten enger zusammenarbeiten. Diese Kooperation ist jetzt in letzter Sekunde geplatzt. Wie groß ist Ihre Enttäuschung?
Meine Enttäuschung darüber ist sehr, sehr groß, weil ich hundertprozentig damit gerechnet habe. Die Gespräche waren schon soweit gediegen. Das war schon ein herber Schlag für uns.

Bevor Sie als Trainer 1998 zur SG Wattenscheid zurückkehrten, haben Sie in der 1. und 2. Bundesliga den 1. FC Kaiserslautern, den MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach, aber auch Wattenscheid 09 trainiert. Welcher Trainerposten (außer natürlich in Wattenscheid) würde Sie besonders reizen?
Na gut, ich bin bekanntlich ein Trainer, der gerne mit jungen Leuten arbeitet, am liebsten in einem Verein, ist in dem Harmonie herrscht und in dem gezielt gearbeitet wird. Das kann man sich als Trainer nicht immer aussuchen. Hier in Wattenscheid macht das Traineramt schon sehr viel Spaß!

Haben Sie in Ihrem Vertrag eine Ausstiegsklausel für die 1. oder 2. Bundesliga?
Nein, habe ich nicht.

Das Hinrundenspiel zwischen Wattenscheid und Holstein Kiel endete im Sommer 4:2. Glauben Sie, dass Ihre Mannschaft gegen Kiel diesmal wieder gewinnen wird?
Kiel ist eine Mannschaft, gegen die wir ganz gerne spielen. Mir hat nicht gepasst, dass Kiel jetzt zu Hause gegen Uerdingen verloren hat. Die Mannschaft brennt jetzt natürlich auf Wiedergutmachung.

Wie geht das Spiel Holstein Kiel – SG Wattenscheid 09 aus?
Ich bin keiner, der Spiele tippt. Ich glaube natürlich als Trainer immer an meine Mannschaft.

Welchen Platz wird Wattenscheid am Ende der Saison belegen?
Garantiert keinen Abstiegsplatz.

...und Holstein Kiel?
Ich denke den Platz, auf dem sie jetzt stehen.

Wird Ihr Spieler Löbe, der die Torjägerliste z.Zt. mit 13 Toren anführt, auch am Ende der Saison vorne stehen und sich die Torjägerkrone holen?
Da bin ich von überzeugt, das er es schaffen wird. Allerdings muss er gesund bleiben.

Sie gelten in Fachkreisen als Erfinder des sogenannten „Übersteigers“. Wie sind Sie auf diesen Trick gekommen?
Na gut, das ist sicherlich nicht erfunden und war damals zu Bundesligazeiten so. Es ist angeboren, später wurde die Fähigkeit noch verfeinert. Der absolute Erfinder des „Übersteigers“ bin ich aber nicht.

Obwohl Sie nie - wie noch vor einigen Wochen z.B. Daniel Küblböck oder Costa Cordalis - im Dschungel lebten, nannte man Sie früher „Spargeltarzan“. Warum?
Das ist so eine Erfindung von der Zeitung mit den vier großen Buchstaben...!

Alles klar, vielen Dank, wir sehen uns dann in Kiel.
Das wäre schön. Ciao.

Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel, 13. März 2004

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