Hungereckers Freistoß entscheidet Derby
Es war Not gegen Elend. das die Zuschauer im Kieler Nachbarschaftsderby zwischen dem SC Comet Kiel und dem Heikendorfer SV zu sehen bekamen - doch den stark abstiegsbedrohten Cometen war das herzlich egal. Dank eines Freistoßtores von Marc Hungerecker gewannen die Gastgeber eine über die gesamte Spielzeit langweilige Partie mit 1:0 (0:0). Interimstrainer und Abwehrspieler Steve Frank freute sich über den Sieg: "Wir haben ein typisches Derby gesehen. Es war ein Kampfspiel, bei dem wir das Führungstor glücklich geschossen haben", bilanzierte er.
Besonders gefreut hatte er sich über die neu entfachte mannschaftliche Geschlossenheit. "Die Mannschaft hat in der Woche gut mitgezogen. Wir waren heiß auf das Derby. Das hat man heute gesehen." Auch auf dem Platz war die Stimmung positiver als zuletzt. Zuletzt teilweise gehörte Schimpfereien auf Mitspieler blieben aus. "Das klappte gut, hat aber nichts mit dem Trainerwechsel zu tun, sondern eher damit, dass wir mal wieder Erfolg haben", stimmte Frank zu.
Die Partie war über weite Strecken ausgeglichen. Comet wirkte siegeswillig, war kampfstark und klärte konsequent jeden Angriff der Gäste entweder ins Aus oder weit in die gegnerische Hälfte. In der gesamten ersten Halbzeit gab es nur drei Torchancen. Benjamin Szodruch versuchte es aus 16 Metern, doch sein Schuss ging rechts vorbei (7.). Marc Hungerecker scheiterte mit einem Distanzschuss aus 20 Metern (43.). Für die Gäste hatte Thomas Borreck (28.) die einzige Möglichkeit. Das Spiel plätscherte vor sich hin, Torchancen blieben Mangelware. Comet verteidigte geschickt, Steve Frank behielt als Abwehrchef die Übersicht und war stets an Ort und Stelle, wenn es brenzlig wurde.
Nach dem Seitenwechsel sollte es etwas mehr Torchancen geben, allerdings hielt sich der Unterhaltungswert des Spiels immer noch in Grenzen. Finn Jaensch aus 16 Metern (47.), Patrick Wemmer aus 20 Metern (49.) hatten gute Einschussmöglichkeiten für Heikendorf. Auf der anderen Seite verfehlte Dennis Jaeger nur knapp mit dem Kopf (60.). Es war ein typisches 0:0-Spiel. Keiner dominierte, beide bolzten mehr als ansehnlichen Fußball zu spielen. Zwingende Chancen blieben aus. Umso überraschender kam dann das Führungstor für die Cometen. Nach einem Foul von Finn Jaensch an Marc Hungerecker gab Schiedsrichter Eike Albig (Holstein Kiel) einen Freistoß. Hungerecker machte es selbst und traf aus 16 Metern spitzen Winkels ins lange Eck zum vielumjubelten 1:0 (68.). Das Tor blieb in dem insgesamt schwachen SH-Liga-Spiel allerdings der einzige Höhepunkt.
Heikendorfs Trainer Mikica Mladenovic saß nach dem Spiel noch eine Weile nachdenklich auf der Trainerbank. "Was für ein Katastrophenspiel", schimpfte er. "Comet hat nach vorne gebolzt und wir waren nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. In der ersten Halbzeit waren wir Statisten, nach der Pause haben wir ein bisschen mitgemacht. Das reicht aber nicht. Ich verstehe nicht, wie man mit so einer Einstellung in ein Derby gehen kann", war der Heikendorfer Trainer nach der nicht unverdienten Niederlage bedient.
Veröffentlicht: Nord Sport, 26. Oktober 2009