Interview mit Frank Rohde (Trainer Chemnitzer FC)
„Wir wollen nur den Klassenerhalt!“
Herr Rohde, ihre Mannschaft ist mit nur zwei Punkten und einem Tor nach den ersten 6 Spielen recht schlecht in die Saison gestartet. Wie erklären Sie sich das?
Gerade in den ersten eins, zwei Spielen haben wir ganz gut gespielt. Unser Hauptmako war, dass wir unsere vielen Chancen nicht genutzt haben. Die Spiele gegen Preußen Münster oder Eintracht Braunschweig, die wir 1:0 verloren haben, hätten wir auch gewinnen können.
Wo steht Ihr Team im Vergleich zum Vorjahr?
Spielerisch sind wir besser geworden. Wir spielen kompakter und bisher weniger Gegentore kassiert als im Vorjahr. Wir gehen aber noch zu fahrlässig mit unseren klar heraus gespielten Torchancen um. Die müssen wir einfach besser nutzen. Es zerrt schon an den Nerven der jungen Spieler, wenn wir unsere Torchancen nicht nutzen und dann 0:1 vom Platz gehen; insbesondere natürlich, wenn das entscheidende Tor wie im Heimspiel gegen Braunschweig erst in der 89. Minute fällt.
Was sagen Sie zu Ihren Neuzugängen?
Wir konnten die meisten Neuzugänge in der Vorbereitungsphase integrieren. Die beiden neuen Spieler, die wir erst während der Vorbereitungsphase verpflichtet haben, nämlich den brasilianischen Stürmer Fabio Pinto und den französischen Mittelfeldspieler Carl Priso, brauchen noch etwas Zeit. Wenn sie länger im Mannschaftstraining sind, erhoffe ich mir gerade von Fabio, dass er dann auch die nötigen Tore für uns schießt.
Wie schätzen Sie die neue Mannschaft von Holstein Kiel ein?
Kiel hat unwahrscheinlich aufgerüstet. Dementsprechend gut steht Holstein auch in der Tabelle da. Die Mannschaft ist für mich ein Geheimfavorit, der um den Aufstieg mitspielt.
Letztes Jahr gewann Holstein Kiel gegen den Chemnitzer FC im heimischen Stadion 3:0. Wird sich dieses Ergebnis wiederholen?
Ich hoffe nicht! Als wir letztes Jahr nach Kiel kamen, hatten wir schon 40 Punkte und hätten schon die nötigen Punkte gegen den Abstieg einfahren können. Kiel hingegen war verunsichert. Wir waren zunächst überlegen, durch zwei individuelle Fehler sind wir dann aber in Rückstand geraten und haben Kiel damit wieder stark gemacht. Das darf uns nicht wieder passieren.
Welchen Platz wird der Chemnitzer FC am Ende der Saison einnehmen?
Wir wollen nur den Klassenerhalt.
Sie haben von 1969 bis1990 für den BFC Dynamo Berlin gespielt und 42 A Länderspiele für die DDR bestritten. Was sagen Sie zur heutigen Situation des Fußballs in den neuen Bundesländern?
Mit den Aufstiegen von Dynamo Dresden, Rot- Weiß Erfurt sowie Erzgebirge Aue im Vorjahr, dem ehemaligen Erstligisten Energie Cottbus sowie mit der jahrelangen Präsenz von Hansa Rostock in der 1. Liga hat der Osten der Osten aufgeholt. So kann es weiter gehen! Es wäre schön, wenn die eine oder andere Mannschaft noch mal von der 2. in die 1. Liga oder von der Regionalliga in die 1. Liga aufsteigen könnte. Das Problem ist aber, dass nach dem Fall der Mauer fast alle gen West gezogen sind, neben mir u.a. Thomas Doll und viele andere vom damaligen BFC.
Sie sind 1990 zusammen mit Thomas Doll zum HSV gekommen. Wie war Ihr erster fußballerischer Eindruck im Westen?
Ich war damals 30 Jahre alt und hatte schon einiges erlebt. Beim HSV hatten wir viele junge Spieler. Ich war über die mangelhafte, individuelle, technische und taktische Ausbildung dieser jungen Spieler erstaunt. Das war schon erschreckend. Bevor ich ’rüberkam, hatte ich gedacht, dass da mehr vorhanden ist. Abgesehen davon hatten wir beim HSV eine gute Kameradschaft, und dadurch sind wir dann im ersten Jahr trotzdem in den UEFA- Cup gekommen. Und das war das Positive.
Sie haben Anfang der `90er Jahre mit dem HSV gegen den jetzigen Kieler Trainer Frank Neubarth gespielt. Sie galten als kampfstarker Abwehrspieler. Wie war Neubarth als Gegenspieler?
Er war unwahrscheinlich torgefährlich, sehr kopfballstark und ein sehr guter Strafraumspieler. Das war seine absolute Stärke.
Wo war Ihre schönste Zeit als Fußballer? Warum?
Das war beim BFC Dynamo Berlin. Wir waren eine Mannschaft mit zahlreichen Persönlichkeiten. Viele waren Nationalspieler. Mit den Jungs konnte ich acht Meistertitel erringen, zweimal wurden wir Pokalsieger. Trotz der vielen Top- Spieler hatten wir eine gute Kameradschaft.
Mit wem würden Sie `mal gerne 2 Stunden im Fahrstuhl eingesperrt sein?
Mit Claudia Schiffer.
Woher kommt Ihr Spitzname „Wuschi“?
Als ich sechs Jahre alt war, hatte ich ganz schön dünnes Haar, da haben sie mich „Wuschelkopf“ genannt. Der damalige Trainer im Kinderbereich hat den Namen abgekürzt und mich „Wuschi“ genannt. Diesen Spitznamen habe ich dann aus Rostock, wo ich ja geboren bin, mein ganzes Leben lang mitgenommen.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel, 18. September 2004