Kilia Kiel enttäuschte auf der ganzen Linie
„Das ist doch Not gegen Elend“, fasste einer der rund 80 Zuschauer das Spiel korrekt zusammen. Trotz alledem gewann der FC Kilia Kiel im sehr schwachen Verbandsligaspiel gegen TSV Heiligenstedten mit 2:1 (2:0). In der Tabelle spielt das Ergebnis keine wichtige Rolle mehr. Heiligenstedten bleibt nach wie vor auf dem letzten Platz. Kilia Kiel verbuchte das Ergebnis nur noch unter „Punktekosmetik“. Mit 56 Punkten stehen die Kieler auf dem vierten Tabellenplatz.
In der ersten Hälfte entwickelte sich zunächst ein munteres Spiel mit klaren Feldvorteilen für Kilia. Die Gastgeber nahmen sofort das Zepter in die Hand und versuchten geschickt, über beide Außenseiten gegen die kompakte Abwehr der Gäste zu Torchancen zu kommen: Michel Witt setzte sich auf der linken Außenbahn durch, flankte vor das TSV-Tor, doch Florian Tinnemann traf aus drei Metern nicht (12.). Auch Christoph Hipp schoss aus 14 Metern weit übers Tor (17.). Zwei Minuten später dann das erwartete Führungstor aus Kieler Sicht: Michel Witt flankte wieder von links in den Strafraum, wo Broder Hansen aus kurzer Distanz vollstreckte. Die Gäste wehrten sich tapfer, kamen aber häufig minutenlang gegen die überlegenen Kieler nicht aus der eigenen Hälfte. So in der 26. Minute, als Michel Witt aus 14 Metern mit rechten Innenriss knapp am rechten Pfosten vorbeischoss. Drei Minuten später verwandelte Robin Ziesecke nach einem Pass von Michel Witt gekonnt zum 2:0. So sahen die Zuschauer in der ersten Hälfte eine einseitige Partie, in der (noch) ein Klassenunterschied zu sehen war.
In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel mehr und mehr. Die Kieler zeigten sich fortan ideen-, konzept- und willenlos. Mario Witt schnappte sich den Ball an der Mittellinie, lief unbedrängt Richtung Tor und schoss TSV-Keeper Eicke genau gegen den Fuß (47.). Dieser Leichtsinn wurde sechs Minuten später beinahe bestraft, als Heiligenstedten durch Niels Kruse aus 18 Metern fast zum Anschlusstreffer einschoss. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis die Gäste die Fahrlässigkeit der Kieler ausnutzen. Und so geschah es dann auch. Nach einem Freistoß von Andree Klotzbücher irritierte die Kilia-Abwehr Torwart Philipp Reinhold und der Ball rollte zum 2:1 ins Gehäuse. „Was für ein Gebolze. Das macht doch keinen Spaß“, bemerkte Kilia-Manager Frank Bremer richtig. Es war ein Spiel der kampfstarken Heiligenstedter gegen die „willenlosen Kieler“ (Bremer). Die Kieler Verantwortlichen „tobten“ auf Tribüne und Bank. Sogar so, dass Schiedsrichter Sulimma sich gezwungen sah, Kilia-Trainer Frank Drews mit der Gelb-Roten Karte wegen Meckerns von der Bank zu verbannen.
Nach dem Spiel war Drews trotz des Sieges sehr unzufrieden: „Ich bin immer wieder aufs neue enttäuscht, wie wir uns negativ steigern können. Wir waren nicht bereit, aggressiv und leidenschaftlich zu spielen. Ich will nicht den Frauenfußball beleidigen, aber einige meiner Spieler laufen wie Mädchen – ohne Herzblut! Leider!
Veröffentlicht: NordSport, 16. April 2007