HSV hautnah – ein Juniorreporter blickte hinter die Kulissen

Ich bin Henrik Heitmann aus Lütjenburg ( Kreis Plön ), 13 Jahre, Juniorreporter. Ich schreibe für die Stadionzeitung von Holstein Kiel. Nach einem Interview mit Reiner Calmund anlässlich des DFB- Pokalspiels gegen Bayer 04 Leverkusen im letzten Sommer lud dieser mich vier Tage nach Leverkusen ein. Beim Spiel gegen den HSV lernte ich Marinus Bester, den Pressesprecher des HSV, kennen, der mir anbot, auch einmal beim HSV hinter die Kulissen zu blicken und darüber zu berichten. Ich freute mich riesig!
Im April war es dann soweit. Bereits am Donnerstag vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund begann mein „Abenteuer HSV“ mit dem Besuch beim Training in Norderstedt. Zwei ausländische Fernseh- Teams, der NDR- Hörfunk, Fotografen und Vertreter der schreibenden Presse beobachteten die Mannschaft bei Passübungen, Schusstraining und einem kleinen Spielchen. Sergej Barbarez und Tom Starke zeigten ihr ganzes Temperament, schrieen, sprühten förmlich vor Ehrgeiz. Trainer Klaus Toppmöller hüpfte bei so mancher Flanke hoch, als wollte er wie in seiner Glanzzeit als Spieler die Kugel selbst im Tor versenken!
Es waren ca. 200 Fans anwesend, die das Geschehen kritisch beobachteten.
Mir fiel auf, dass sich Spieler und Fans zum Teil kannten: „ Hallo, Frau ..., wie geht es Ihnen,“ fragte Milan Fukal in seinem besten Deutsch durchaus interessiert eine ältere weißhaarige Dame am Spielfeldrand.
Nach Trainingsende wollten viele Fans Autogramme und Fotos mit Ihren Stars. Die Spieler hatten ganz viel Geduld und erfüllten jeden Wunsch. Da habe ich andernorts auch schon andere Beobachtungen gemacht!
Ostersamstag, endlich der Spiel gegen den BVB! Früh reiste ich zur AOL- Arena, denn ich wollte zunächst noch das erst im Februar eröffnete HSV- Museum besichtigen. Und das bietet viel: Über Kopfhörer kann man noch einmal die spannenden Rundfunkübertragungen von bedeutenden Spielen des HSV erleben, Fotos und Modelle von dem alten Stadion am Rothenbaum und dem Volksparkstadion begucken, die großen Pokale, die der HSV gewonnen hat, oder zahlreiche andere Ausstellungsstücke bestaunen, wie z.B. Orginal - Notizbucheintragungen von Meistertrainer Ernst Happel oder Fußballschuhe von Uwe Seeler.
Neben dem Fußball haben auch die anderen erfolgreichen Sparten des HSV, wie Volleyball und Leichtathletik, ihren Platz. Hier erfuhr ich, dass der erste russische Eishockeyspieler, der ins Ausland durfte, ausgerechnet für den HSV spielte.
Obwohl ich noch so jung bin, spürte ich: Der HSV hat Tradition.
Bis zu meiner Verabredung mit Marinus Bester war noch etwas Zeit. Ich ging in den Presseraum im 5. Stock. Für die Journalisten gab es hier Getränke und Würstchen. Kostenlos, denn die „Kollegen“ sollen ja bei Laune gehalten werden. Mit meinem Presseausweis war ich einer von ihnen. Mir lief Gerhard Delling vom NDR- Fernsehen über den Weg. Ein ganz lockerer, netter Typ! Ich fragte ihn nach seinem Eindruck vom Pressebereich. „Nicht nur der Pressebereich, sondern das ganze Stadion ist klasse. Es wurde an alles gedacht. Der Pressebereich ist heute das reinste Schlaraffenland. Als ich vor 28 Jahren mit dem Sportjournalismus anfing, gab es hier noch keine Brötchen! Also, das ist hier alles schon beste Qualität.“, lobte der NDR-Kommentator.
Als ich HSV - Pressechef Marinus Bester traf, zeigte er mir die Bereiche, in die so kurz vor Spielbeginn nur noch die Offiziellen kommen: Die Mannschaftskabine des HSV, in der fein säuberlich für jeden Spieler Trikot, Hose, Stutzen, Schienbeinschoner und Fußballschuhe auf der Bank bereitlagen, die Trainerkabine, in der wir schon Klaus Toppmöller antrafen, den Wellness- Bereich mit zwei Dampfbädern, Hermann Riegers Behandlungsraum, die Kabine für die Schiedsrichter, die mich freundlich begrüßten. Auch die Balljungs haben hier eine eigene Kabine. Wirklich an alles gedacht!
Weiter ging es durch die Katakomben. Technik, Technik, überall Kabel und Technik. In einer Ecke entdeckte ich einen Wohnwagen für Besprechungen. Aus einem benachbarten mit Technik vollgestopften LKW soll auch schon mal kommentiert worden sein. Ich staunte!
Mit dem Fahrstuhl ging’s rauf in den VIP- Bereich, der sich über zwei Etagen erstreckt. Der Bereich war gerammelt voll. Kein Wunder, hier gab es Essen und Trinken vom Feinsten. Gleich nebenan liegen einige der insgesamt 50 Logen mit tollen Blick auf das Spielfeld und... einer eigenen Bedienung! Der Hammer! Marinus Bester stellte mich, den Juniorreporter, einigen Promis wie z.B. Rudi Kargus vor. Ein Gast wünschte mir einen HSV - Sieg, denn „über Siege lässt sich besser schreiben.“
Der Anpfiff nahte. Vorbei an Kabelgewirr, Monitore, Kameras und sonstige Technik eilten wir in den Innenraum. Die Mannschaften liefen kurz nach uns zu den Klängen von „HSV Forever“ ein. Sie waren hochkonzentriert. Die 52200 Zuschauer machten tierischen Lärm. Eine irre Atmosphäre hier unten!
Los ging’s! Die BVB- Stars Frings (8.) und Koller (28.) brachten den HSV schnell auf die Verliererstraße. Unsicherheit und Nervosität stiegen an. Der verletzte Martin Pieckenhagen stand 5 Meter neben mir und schrie, was das Zeug hielt. Wenige Meter weiter zog Klaus Toppmöller nervös an einer Zigarette. Björn Schlicke kam direkt vor mir angerannt, erreichte den Ball nicht mehr vor dem Seitenaus, Einwurf für Dortmund. „Mensch, leck mich doch am Arsch!“ tobte er. Ich hörte das Keuchen der Spieler und jeden Schlag gegen die Knöchel des Gegners. Kampf und Hektik pur.
Der HSV spielte mäßig und verlor letztlich mit 0:2. Die HSV- Spieler waren unzufrieden, nur wenige gaben Interviews. Dabei konnten die Reporter im Innenraum vor lauter Lärm ihr eigenes Wort kaum verstehen!
Insbesondere die Dortmunder Spieler duschten zügig. Bevor der Torschütze Frings im Mannschaftsbus verschwand, fragte ich ihn noch, wie er das Stadion findet: „ Schön, das ist wirklich ein tolles Gefühl, hier zu spielen. Man freut sich auf jedes Spiel!“
Rasch begann die Pressekonferenz. Ich war erstaunt, wie schnell sich die Anspannung bei beiden Trainern gelegt hatte. Sie analysierten scheinbar ruhig und kühl. Schon bemerkenswert.
Im Anschluss hatte ich einen Termin mit Klaus Toppmöller für ein Exklusiv- Interview. Während meine „Kollegen“ ihre sieben Sachen packten, holte ich mein Diktiergerät raus. Ich war auf Toppmöller gespannt, hatte doch im Presseraum vorher noch ein Journalist behauptet: „Der Toppmöller ist tierisch arrogant.“
Ich kann das nicht bestätigen. Freundlich und offen beantwortete er mir meine überwiegend persönlichen Fragen. Ich spürte, das er mich als Juniorreporter ernst nahm. Mein Eindruck: Ein echt netter Kerl, der in die Welt passt!
Das Abenteuer HSV ging so zuende. Es war ein tolles Erlebnis. Zum Abschied haute mir Marinus Bester kameradschaftlich auf die Schulter und sagte: „Du warst zwar heute nicht unser Glücksbringer, aber was nicht ist, kann ja noch werden...“

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