Interview mit Mike Rietpietsch (Spieler Wuppertaler SV)
„In Kiel fehlte mir die klare Ansprache!“
Mike, wie geht es dir in Wuppertal?
Gut. Es läuft sehr vernünftig hier.
Wie hast du dich eingelebt?
Da ich von hier komme, ist es wohntechnisch keine Umstellung gewesen. Mit der Mannschaft habe ich mich auch schnell zu Recht gefunden.
Kann Wuppertal als Stadt einem Vergleich mit Kiel standhalten?
Ich habe noch nicht sehr viel von Wuppertal gesehen. Aber das, was ich gesehen habe, kann mit Kiel auf keinen Fall mithalten! Wuppertal ist zwar nicht hässlich, aber auch nicht die schönste Stadt. In Kiel hingegen hat es mir gut gefallen, insbesondere der Hafen und die Strände. Das hebt immer die Stimmung.
Wie ist es denn bisher sportlich bei dir gelaufen?
Anfangs war ich mit mir sehr zufrieden. Dann kam leider der Bandscheibenvorfall, der mich zurückwarf. Die dann folgenden Spiele habe ich nicht mehr so zufrieden stellend gespielt. Ich war nicht mehr so auffällig wie in den ersten Spielen. Im Großen und Ganzen kann ich mit der Hinrunde trotzdem zufrieden sein. In der Mannschaft stimmt alles überein.
Wie war das Trainingslager auf Mallorca?
Es fing problematisch an, weil der Platz nicht so war, wie wir uns das vorgestellt haben. Glücklicherweise haben wir einen Ausweichplatz gefunden. Einen Tag vor Abflug hatten zwölf Mitspieler die Magen-Darm Krankheit. Folglich konnte Uwe Fuchs das Programm nicht so durchziehen, wie er das wollte, weil die Spieler natürlich ein paar Tage brauchten, bis sie konditionell und körperlich wieder fit waren. Ansonsten war es ganz in Ordnung. Das Wetter war super.
Worin unterscheiden sich Holstein Kiel und der Wuppertaler SV Borussia?
(lachend): Dass wir im Moment zweiter sind. Im Ernst: Hier in Wuppertal passte alles von Anfang an und in Kiel hakte es ein wenig. Wir hatten damals in Kiel viele Verletzte. Dann kam im Umfeld Unruhe auf. Hier in Wuppertal hingegen schwammen wir von Anfang an auf einer Erfolgswelle. Nach einer Niederlage haben wir uns zusammen gerauft, uns die Meinung gesagt und im nächsten Spiel wieder gewonnen. In Kiel hat mir diese klare Ansprache gefehlt.
Rückblickend betrachtet: Warum konntest du dich in Kiel nicht durchsetzen?
Die Erwartungen waren sicherlich hoch. Ich konnte aber nie richtig Fuß fassen, zumal ich auch leider nicht die Vorbereitung auf die Rückrunde mitgemacht habe. Ich war anfangs in einer guten Verfassung, hätte gerne gespielt, aber es fielen gleich die Spiele aus. Die innere Spannung litt darunter. Wir haben uns zwar immer wieder aufgebaut, aber dann fiel wieder ein Spiel aus.
Darüber hinaus gab es weitere Faktoren, die nicht passten. Da wurden meinerseits Fehler gemacht, aber auch von Frank Neubarth.
Wie war dein Verhältnis zur Mannschaft?
Ich hatte ein super Verhältnis zur Truppe, wir haben viel unternommen. Mit vielen, wie Sven Boy, Henner Preuß, Thorsten Rohwer und Andre Breitenreiter, konnte ich den Kontakt auch noch aufrechterhalten. Es hat mit den Jungs richtig Spaß gemacht. Auch das Umfeld hat mir sehr gut gefallen. Frank Neubarth war ein bisschen steif, aber jeder Trainer hat seinen Stil. Ich kam mit dem Stil leider nicht klar. Es war ein angespanntes Verhältnis und wenn ich gemerkt habe, dass nicht mit mir persönlich gesprochen wurde, sondern hinter dem Rücken, stauen sich ein paar Sachen an, die dann dazu führen, dass es halt nicht so geklappt hat, wie der Trainer das gesagt hat.
Kaum bist du aus Kiel weg, schon gerät Holstein in den Abstiegsstrudel…
Der Satz gefällt mir! Aber die Qualität ist ja nicht gesunken, weil ich weg bin. Definitiv hat Holstein gute Spieler verpflichtet, die gemeinsam mit den anderen Spielern auch aus dem Tabellenkeller wieder herauskommen.
Was muss sich bei Holstein Kiel verbessern?
Da kann ich nichts zu sagen, weil ich nicht mehr vor Ort bin. Letzte Saison war es so, dass wir um den Aufstieg mitgespielt haben und das Quäntchen Glück nicht hatten. Teilweise konnten wir unsere Erwartungen nicht erfüllen. Das sind Dinge, die sich ändern müssen.
Bitte ergänzen: Wenn ich an meine Zeit in Kiel denke, denke ich an…
… eine schöne Zeit. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, wenn ich das sage, aber was soll man rumjammern? Es hat halt nicht geklappt. Ich werde Holstein aber trotzdem in guter Erinnerung behalten und freue mich auch schon, wieder nach Kiel zu kommen.
Du warst bereits in der zweiten Bundesliga. Wie sieht dein berufliches Ziel aus?
Mein Ziel ist es, mit Wuppertal aufzusteigen, um noch einmal in der zweiten Bundesliga zu spielen. Dann hoffe ich mal, dass ich verletzungsfrei bleibe und noch ein paar Jahre spielen kann.
Wie geht das Spiel zwischen Holstein Kiel und Wuppertaler SV Borussia aus?
Wir werden versuchen, zu gewinnen.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 16. Februar 2007