Comet präsentiert sich wie ein Absteiger
Der SC Comet Kiel taumelt immer mehr dem Abstieg in die Verbandsliga entgegen. Trainer Patrick Nöhren antwortete auf die Frage, was an seiner Mannschaft am Sonntag noch SH-Liga-reif war treffend lakonisch: "Ich hoffe die fünf Stammspieler, die heute nicht mitspielen konnten." Nach der bösen 1:7 (0:4)-Klatsche im Kieler Ostuferderby gegen den Heikendorfer SV saß der Frust tief. "Wir sind nicht anständig in die Zweikämpfe gegangen. Entweder haben wir es gelassen oder wir haben gefoult. Heute haben wir nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Es passte heute keine Komponente in diese Spielklasse", ärgerte sich Nöhren über die katastrophale Leistung seiner Mannschaft.
Heikendorf war von Beginn die spielbestimmende Mannschaft, drückte Comet weit in deren Hälfte, ließ in der Defensive kaum etwas zu und schoss durch Thomas Borreck (9.) früh den Führungstreffer. Comet wirkte eingeschüchtert, brachte nichts zu Stande und gab schon nach dem 2:0 durch Henrik Giese (12.) mehr oder weniger auf, ließ die Heikendorfer spielen. Die Gastgeber machten das Spiel schnell, nutzten fast jede Chance zum Tor. Nach einer Rechtsflanke kümmerte sich kein Comet-Verteidiger um den völlig freistehenden Manuel Schwenn, der den Ball nur noch einschieben musste (16.). Für Comet war das Spiel im Prinzip gelaufen. Die Gäste präsentierten sich wie ein Kreisligist. Kein Abstiegskampf, kein Zweikampfverhalten, fehlende Abstimmung - die Kieler liefen den Heikendorfern nur noch hinterher. Thomas Borreck und Guido Braasch (33.) hatten kurz hintereinander zwei Riesenchancen, ehe Braasch aus spitzem Winkel knapp am Tor vorbeischoss (36.). Kurz vor der Pause erhöhte Abwehrchef Henrik Giese noch zum 4:0-Halbzeitstand (43.).
Comet musste reagieren, brachte für den Abwehrspieler Christopher Horn Stürmer Oliver Blazevic, der auch zu Anfang Druck machte. Mit dem Kopf (52.) hatte er die erste gute Möglichkeit der Gäste. Doch der Gastgeber ließ sich keinesfalls verunsichern. Die Heikendorfer schossen durch Stefan Lapatzki (55.) das 5:0 und durch Nedeljko Veselinovic (67.) das 6:0. Der Einbahnstraßenfußball in Richtung Comet-Gehäuse nahm seinen Lauf. Einzig beim Tor von Gevorg Avetisan (77.) kam der Gast noch aus der eigenen Hälfte. Heikendorf gab aber auch darauf noch die richtige Antwort und traf durch Patrick Wemmer (88.) zum auch in der Höhe verdienten 7:1-Endstand.
Heikendorfs Trainer Mikica Mladenovic, der sich vor der Partie seine Mannschaft wegen der zuvor dürftigen Ergebnisse zur Brust genommen hatte, war nach dem hohen Sieg sehr zufrieden mit seinem Team: "Endlich ist der Knoten geplatzt. Die Spieler haben verstanden, was ich vor dem Spiel gesagt habe. Wir haben uns gute Chancen herausgearbeitet und diese konsequent genutzt." Der 48-jährige HSV-Coach sah Comet Kiel angesichts der fünf fehlenden Spieler stark geschwächt: "Für Comet war es schwer, in der Aufstellung gegen uns zu gewinnen."
Veröffentlicht: Nord Sport, 26. April 2010