Interview mit Peter Maffay (Sänger)
Open Air ist so etwas wie "Urlaubs-Feeling"!
Auf Ihren Tourneen spielen Sie meistens auch in Bad Segeberg. Was ist für Sie das besondere an dieser Location? Was verbindet Sie mit Bad Segeberg?
In Bad Segeberg haben wir unser erstes Open Air Konzert überhaupt gegeben. Das Gefühl, in so einer Arena vor 11 bis 12000 Fans zu spielen, hatte ich vorher nicht gekannt. Es war unheimlich spannend, das vergisst man nicht. Deshalb erinnere ich mich immer wieder gerne an diesen Auftritt.
Nach Ihrer Clubtour setzen Sie Ihre Tournee jetzt mit Open Air Konzerten fort? Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Wenn wir ein Konzert geben, ist es unerheblich, ob es in einem Club oder Open Air stattfindet. Beides macht Spaß! Wir spielen in beiden Fällen vor unseren Publikum, und dass ist immer wieder spannend und toll. Es gibt aber dennoch Unterschiede: In Clubs herrscht eine andere Atmosphäre, es gibt einen sehr schnellen, intensiven Kontakt zwischen Musikern und Publikum.
Open Air ist so etwas wie "Urlaubs-Feeling"! Es ist viel Platz vorhanden. Bei schönem Wetter genießt man vor dem Konzert die Sonne, abends beim Konzert dann den romantischen Sternenhimmel! Es hat schon etwas volksfestartiges an sich, wenn die Fans vor den Konzerten Picknick machen und wir Backstage in Badeshorts herumlaufen, grillen und ganz gelöst sind, weil eben Sommer ist.
Wann haben Sie mit den Vorbereitungen auf diese Open Air Konzerte begonnen?
Nach den beiden Großprojekten "Begegnungen" und "Tabaluga", die uns einige Jahre beschäftigt haben, haben wir schon recht früh angefangen, Songmaterial für dieses Album zu schreiben. Schon bei den ersten Titeln haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Titel im Studio bearbeiten müssen, und wie sie auf der Bühne dann wirken.
Wie entspannen Sie sich nach Ihren Auftritten während der Tournee?
So oft und so regelmäßig wie es geht, mache ich Sport. Ich laufe dann oder mache Hanteltraining und Gymnastik. Wenn das Wetter gut ist, z.B. bei Open Air Konzerten, habe ich immer ein Fahrrad dabei. Ich versuche, auf diese Art und Weise im Verlauf eines Tour- Tages insgesamt 1 bis 1 ½ Stunden für mich zu gestalten.
Auf welche persönlichen Dinge (außer Ihre Instrumente) können Sie auf dieser Tournee nicht verzichten?
Auf Dinge, die man im Alltag so braucht, wie meine Brille und meine Zahnbürste. Klamotten und ähnliches brauche ich jedoch nicht soviel, schon gar nicht, wenn ich unterwegs bin. Alles andere ist im Grunde fast entbehrlich.
Wir leben während einer Tour auch sehr diszipliniert. Wir hauen uns nicht die Nächte um die Ohren, was wir ansonsten schon mal hin und wieder tun. Wir haben viele Konzerte und müssen am nächsten Tag wieder vital sein, um gute Arbeit abzuliefern.
Welches Ihrer Lieder ist IHR Lieblingslied?
Ich habe kein Lieblingslied. Welches Lied ich gerade besonders mag, hängt von meiner Stimmung ab. Entweder die harten, lauten rockigen Stücke, die sich mit gesellschaftlich- politischen Themen befassen, oder die sanften, leiseren Tracks mit persönlichen Bezügen. Deshalb heißt das neue Album auch "Laut und Leise". Es gibt viele Lieder, die ich heute nicht so gerne spielen möchte, weil sie für mich inhaltlich nicht mehr wichtig sind oder ich sie musikalisch nicht mehr so interessant finde. Es sind mehr Lieder dieser Art als Lieder, die ich noch gerne spiele.
Es gibt aber auch Stücke, die wir lange nicht gespielt haben und die so fast in Vergessenheit geraten sind, einfach deshalb, weil man schnell in den Trott verfällt, immer das zu spielen, was man immer spielt. So kommt es schon mal vor, dass wir beim Soundcheck Lieder anspielen und uns sagen "Mensch, das Lied haben wir aber lange nicht gespielt, dass sollten wir mal wieder spielen."
Was machen Sie, wenn die Tournee vorbei ist?
Ich werde dann wahrscheinlich nach Mallorca fliegen und da nach dem Rechten sehen. Da habe ich dann andere Aufgaben, da läuft die Uhr einfach ganz anders.
Das Jahr 2005 steht aber insgesamt im Zeichen der Tour und des neuen Albums "Laut und Leise".
Herr Maffay, zum Abschluss noch ein paar persönliche Fragen:
Sie sind erfolgreicher Musiker, den die Fans bewundern. Gibt es jemanden, den SIE bewundern?
Ja, aber das sind nicht unbedingt Musiker. O.K., Eric Clapton spielt nach wie vor wunderschön Gitarre. Auch Gruppen wie z.B. Silbermond finde ich toll.
Es gibt aber andere Menschen in meinem Umfeld, denen ich großen Respekt zolle und die ich bewundere. So treffe ich auf der Finca auf Mallorca ganz einfache Leute, die mit Inbrunst und Haltung Mauern bauen, Gemüse züchten oder mit Tieren arbeiten. Es sind z.T. ältere Herren mit verarbeiteten Händen und Gesichtern, die Geschichten erzählen; bei jedem Wetter werkeln sie und haben dabei immer ein Lächeln auf den Lippen.
Das beeindruckt mich und gibt mir mehr als der ganze Glemmer in der Öffentlichkeit, den ich natürlich akzeptiere, der mir aber nicht viel gibt.
Sie haben einen Sohn namens Jaris. Sehen Sie Ihren Sohn während der Tournee?
(Maffay schmunzelnd): Ja, ich sehe ihn jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe. Ich habe nämlich ein Bild von ihm am Bett! Aber mal ernsthaft: Es lässt sich während der Tour leider nicht vereinbaren, ihn "real" zu sehen. Ich freue mich aber schon darauf, ihn danach zu sehen.
Jaris ist jetzt ca. 1 ¼ Jahr alt. Im letzten Sommer haben Sie geäußert, dass Sie sich noch ein zweites Kind wünschen. Wann ist es denn soweit?
(Maffay lachend): Sollten wir da nicht noch jemanden fragen? Das kann ich ja nicht allein bestimmen! Bis jetzt ist mir jedenfalls noch nichts bekannt.
Was fehlt Ihnen ansonsten zum Glück?
Nichts!!!
Sie heißen doch eigentlich Makkay. Warum haben Sie damals Ihren Namen geändert? An dem Fußballstar Roy Makaay sehen Sie doch, dass man auch mit diesem Namen berühmt werden kann, wenn man gut ist.
Die Leute fanden damals die Schreibweise sehr kompliziert. Fans schlugen dann diese Namensänderung vor. Mir war es egal. Ich sagte, wenn ihr es denn so wollt, dann machen wir es halt so. Ich habe mich daran gewöhnt.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Ein neuer Tag, ein neues Glück!
Können Sie sich vorstellen, den Spaß am Musikspielen zu verlieren?
Nein!
Warum nicht?
Gegenfrage: Kannst du dir vorstellen, hübschen Mädels nicht mehr nachzugucken?!
Veröffentlicht: Tageszeitung Kieler Nachrichten , 19. Mai 2005