Interview mit Claus- Dieter Wollitz (Trainer VfL Osnabrück)
„Ich muss auch nicht Bundesligatrainer werden!“
Herr Wollitz, herzlichen Glückwunsch zum guten Start in die Regionalliga- Saison. Sie sind sicherlich mit der Leistung Ihrer Mannschaft zufrieden, oder?
Ja, ich bin einigermaßen zufrieden. Wir haben 8 Spiele absolviert und 15 Punkte geholt. Man möchte natürlich immer das Maximum haben.
Am letzten Spieltag der letzten Saison sagten Sie uns, dass in dieser Saison der Kader gefestigter sein wird, da sie nicht so viele neue Spieler wie in der vergangenen Saison zu integrieren hätten. Ist Ihre Erwartung eingetroffen?
Die Truppe ist sehr gefestigt, sie hinterlässt auch wieder einen sehr guten Eindruck. Das Problem ist nur, dass wir schon seit einigen Wochen viele verletzte Spieler haben. Das ist bedauerlich und schade, aber irgendwann werden sie zurückkommen und dann wird die Mannschaft noch gefestigter sein.
Ein Wort zu Ihren Neuzugängen…
Marcus Wedau hat in einigen Spielen schon seine ganze Qualität gezeigt. Florian Heidenreich und Shergo Biran haben wegen Verletzungen noch gar nicht gespielt. Wenn die beiden wieder fit sind, werden sie uns ebenso weiterbringen wie jetzt schon Marcus Wedau.
8 Spieltage sind in der Regionalliga gespielt. Was sind bisher aus Ihrer Sicht die positiven und negativen Überraschungen?
Negativ ist, dass Düsseldorf und Wuppertal- anders als von vielen Experten vermutet- nicht so einen guten Start hingelegt haben.
Positiv ist, dass die fünf Favoriten Lübeck, Kiel, St. Pauli, Osnabrück und Essen in engem Kontakt zueinander an der Tabellenspitze stehen.
Bei Ihrem letzten Auswärtsspiel in Chemnitz erlitten Sie nach 17 ungeschlagenen Auswärtsspielen die erste Auswärtsniederlage seit dem 14.09.04. Werden Sie in Kiel versuchen, eine neue Serie zu starten oder meinen Sie, dass Sie gegen Kiel keine Chance haben?
Respekt vor meiner Mannschaft, die tolle Auswärtsserie war eine grandiose Leistung. Sie zeigt uns, dass wir in der Lage sind, mittelfristig mit jungen deutschen Spielern in den „richtigen“ bezahlten Fußball zurückzukehren. Dass man es auch mit jungen Spielern schaffen kann, freut mich unglaublich. Kleinigkeiten werden wir auch noch verbessert und haben dann eine gute Zukunft. Grundsätzlich haben wir gegen jede Mannschaft eine Chance zu gewinnen, aber wir haben auch gegen jede Mannschaft eine Chance zu verlieren!
Wir werden versuchen, in Kiel auch wieder zu punkten.
Sehen wir in Kiel die beiden Aufsteiger in dieser Saison?
Ich hätte nichts dagegen! Aber bis dahin ist noch ein ganz langer Weg. Es werden noch viele positive und negative Dinge passieren. Für jede Mannschaft ist es wichtig, mit Siegen und Niederlagen gut umzugehen, die Ruhe zu bewahren, seinen Weg kontinuierlich weiterzugehen und Rückschläge möglichst gut wegzustecken. Die Mannschaft, die das am besten kann, wird am Ende der Saison dann auch oben stehen.Wir haben im Moment aufgrund von Verletzungen viele Rückschläge wegzustecken. Trotzdem haben wir schon zahlreiche Punkten gewonnen. Und wenn alle Spieler fit sind, haben wir eine sehr, sehr gute Mannschaft, die das Ziel und den Willen hat, wieder aufzusteigen.
Wer sind Ihre Konkurrenten um den Aufstieg?
Essen ist der absolute Aufstiegskandidat Nummer 1! Lübeck ist wie wir ein sehr eingespieltes Team, dass mit einem Durchschnittsalter von häufig über 30 Jahren viel Routine besitzt und dieses Jahr unbedingt den Aufstieg schaffen will. Dann kommen Osnabrück, Kiel und St. Pauli. Holstein Kiel müsste mit dieser Mannschaft und den finanziellen Möglichkeiten eigentlich mehr erreichen wollen als einen einstelligen Tabellenplatz. Eigentlich müsste man sich in Kiel sagen: “Wir wollen dieses Jahr aufsteigen!“
Welchen Spieler von Holstein Kiel hätten Sie gerne in Ihrer Mannschaft?
Ich schätze jeden Spieler in der Regionalliga. Da jetzt aber einzelne Spieler herauszupicken – solche Spielereien mach ich nicht.
Sie haben in der 1. Hauptrunde des DFB- Pokals den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth aus dem Wettbewerb „gekegelt“ (12:11 n.E.). Daraus könnte man schließen, dass Ihre Mannschaft schon Zweitligaformat hat, oder lag es eher am Pokalcharakter?
Wenn man so viele Auswärtsspiele nicht verliert wie wir, hat man eine gewisse Qualität. Wir sind einer von drei Regionalligisten, die noch im Wettbewerb sind, und das spricht für meine Mannschaft. Es zeigt, dass wir in den letztes 1 ½ Jahren sehr gut gearbeitet haben. Unsere Mannschaft tut sich grundsätzlich gegen Mannschaften, die höherklassig spielen, leichter. So haben wir letztes Jahr Aue geschlagen und nur unglücklich gegen Bayern München durch ein Tor in der 93. Minute verloren. Als Unterklassiger gibt man halt immer ein paar Prozent mehr. Die Spieler sind leichter zu motivieren.
In der 2. Pokalhauptrunde treffen Sie auf Mainz 05. Schlagen Sie die Truppe Ihres Kollegen Jürgen Klopp?
Mainz ist in dem Spiel Topfavorit, wir der Außenseiter. Aber wir spielen zu Hause in der osnatel Arena, und im eigenen Stadion gibt es immer eine kleine Chance!
Wenn bei uns alles klappt und bei denen ein bisschen weniger, ist alles möglich.
Ich denke, dass einer von den drei Regionalligisten weiterkommen wird, und ich hoffe natürlich, dass wir es sein werden.
Wie wichtig ist ein Weiterkommen für den VfL Osnabrück im Pokalwettbewerb?
Wirtschaftlich ist es ganz wichtig, denn wir haben nicht die finanziellen Rahmenbedingungen wie einige andere Vereine. Sportlich ist es natürlich eine absolute Herausforderung, denn in Spielen gegen bessere Mannschaften kann man mehr lernen. Tempo und Handlungsschnelligkeit sind höher, das ganze Abwehrverhalten ist anders, die individuelle Klasse der Spieler ist größer.
Wenn wir noch mehrere Spiele im Pokalwettbewerb machen könnten, wäre es nicht schlecht. Wir könnten genauer feststellen, wo es bei uns noch hapert, was wir noch verbessern müssen, um noch stärker zu werden.
Welche Mannschaft außer Osnabrück würden Sie gerne trainieren?
Ich bin mit dem, was ich im Moment habe sehr zufrieden.
Haben Sie ein Trainervorbild?
Ich muss nicht nach irgendwelchen Vorbildern handeln, ich habe meine eigene Linie. Ich muss auch nicht Bundesligatrainer werden!
Für mich ist wichtig, dass meine Mannschaft gerne zum Training kommt, dass sich Spieler bei mir weiterentwickeln und dass meine Mannschaft auf dem Platz gute Leistungen zeigt. Und das ist Fall: Wir sind läuferisch und spielerisch gut, richten uns nicht nach dem Gegner und versuchen immer, nach vorne zu spielen.
In der Öffentlichkeit kommen Sie als lockerer Typ rüber. Deshalb beantworten Sie mir doch sicherlich auch 3 etwas ausgefallene persönliche Fragen.
Na klar, kein Problem!
Mit wem würden Sie denn gerne mal 2 Stunden alleine im Fahrstuhl stecken bleiben?
(Wollitz lacht herzhaft) Mit meiner Frau!
Wenn ich Ihnen 500 € schenken würde, was kaufen Sie sich davon?
Ich würde die 500 € einer sozialen Einrichtung spenden.
Welche 3 Sachen würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine Frau, meine Kinder und ein paar Flaschen guten Rotwein!
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 17. September 2005