Interview mit Georg Kreß (Trainer SG Wattenscheid)
„Waren mit Kiel auf Augenhöhe!“
Worin liegen die Stärken und Schwächen der SG Wattenscheid 09?
Unsere Stärke liegt darin, dass wir eine sehr kompakte und harmonische, gut funktionierende Truppe sind.
Unsere Schwäche ist, dass wir vor dem gegnerischen Tor nicht kaltschnäuzig genug sind. So war es auch im Hinspiel gegen Holstein Kiel: Wir spielten „auf Augenhöhe“, haben genug Chancen herausgespielt und verloren dennoch mit einem Tor Unterschied.
Außerdem sind wir vom Kader her nicht dick genug besetzt. Andere Mannschaften haben in der Winterpause eingekauft, wir haben abgegeben. Ferner habe ich mit den ehemaligen Schalkern Krisztian Szollar und Dirk Caspers zwei sehr gute Spieler, die ausfallen. Das ist schwer zu verkraften.
Was muss bei Ihrer Mannschaft besser werden?
Wir müssen die Anzahl der vermeidbaren Fehler minimieren und den Torabschluss optimieren.
Wie schätzen Sie die Mannschaft von Holstein Kiel ein?
Die Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie kaum Gegentore „einfängt“ und drei Stürmer hat, die immer für ein Tor gut sind.
Welchen Spieler von Holstein Kiel hätten Sie gerne in Ihrem Team?
Einen Knipser wie Pavel Dobry oder Ryan Coiner könnte ich gut gebrauchen!
Das Hinrundenspiel in Wattenscheid endete aus Kieler Sicht 2:1. Glauben Sie, dass Sie diesmal gewinnen können?
Wir haben in Kiel auf jeden Fall gar nichts zu verlieren. In so einer Situation ist vieles möglich.
Wie sieht Ihr Saisonziel aus? Schaffen Sie mit Wattenscheid den Klassenerhalt?
Unser Saisonziel war von vornherein der Klassenerhalt in der Regionalliga. Wenn alles gut läuft, können wir das auch schaffen.
Würden Sie die SG Wattenscheid 09 auch in der Oberliga trainieren?
Ich bin vertraglich bis Sommer im Jahr 2007 an Wattenscheid gebunden. Was bei einem Abstieg wäre, müsste man dann erst mal sehen.
Ihre Prognose: Wer steigt auf, wer steigt ab?
Aufsteigen werden auf jeden Fall Rot-Weiß Essen und Holstein Kiel! Im Abstiegskampf wird die 2. Mannschaft des 1. FC Köln Probleme kriegen. Alles weitere ist da unten sehr offen. Weil ich selber im Abstiegskampf sehr stark involviert bin, möchte ich auch nicht mehr dazu sagen!
Wir wollen Sie unseren Fans persönlich vorstellen.
Wie charakterisieren Sie sich selbst? Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Ich bin ein sehr intellektueller, emotionaler Mensch, bin sehr zuverlässig und ehrgeizig. Ich möchte nichts anderes als Fußballtrainer sein. Meine Schwäche ist, dass ich lange an Niederlagen „knabbere“.
Was kann Sie auf die Palme bringen?
Fußballer, die nur an sich selber und nicht an die Mannschaft denken. Und wenn der Fußball unter dem Diktat des Kommerzes leidet, was mittlerweile fast nur noch der Fall ist.
Worüber können Sie lachen?
Über britische Komödien im Kino und über manche Bücher.
Es ist jetzt ein neuer Bestechungsskandal bekannt geworden. Macht das unseren Sport nicht kaputt?
Ja, das ist ein großes Problem. Besonders schlimm ist die große Heuchelei dabei. Wo gewettet wird besteht immer die Gefahr, dass betrogen wird. Sie sollten ruhig auch die ganzen offiziellen Wetten abschaffen. Ich habe Jahre lang auch gut ohne Fußballwetten gelebt.
Die Fußballweltmeisterschaft steht vor der Tür. Werden Sie sich Spiele live im Stadion angucken?
Ich freue mich sehr auf die WM in unserem Lande. Karten habe ich nur für Schweden – England. Ansonsten werde ich mir alle Spiele von Trinidad und Tobago angucken!
Es wird viel protestiert, seitdem Klinsmann mitteilte, dass Christian Wörns nicht mehr im Nationalteam ist. Finden Sie Klinsmanns Entscheidung richtig? Sollten lieber die jungen Spieler spielen?
Wenn Christian Wörns nicht mehr in die Spielauffassung von Klinsmann passt - was ich gut nachvollziehen kann - dann ist dieser Schritt total richtig. Klinsmann hat aber das Problem, dass die Neuerungen, nach denen Deutschland seit Jahren „ruft“, von einigen Altgedienten gleich in Frage gestellt werden, nur weil mal ein paar Spiele nicht so gut waren. Das ist bitter! Die ganze Art und Weise, wie in den letzten Wochen mit ihm umgegangen wird, ist heuchlerisch.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel, 25. März 2006