Klausdorfer Abwehrwall hält 75 Minuten

Am Ende fuhr Tabellenführer Holstein Kiel II die erwarteten drei Punkte ein. Die Mannschaft von Trainer Torsten Fröhling machte es sich gegen Aufsteiger TSV Klausdorf jedoch schwer, bis die Zähler auf der Habenseite standen. Ganze 76 Minuten mussten die Kieler Anhänger auf das erste Tor ihres Teams warten. Fröhling war dennoch am Ende zufrieden mit der Leistung. "Gegen solche Mannschaften muss man die Geduld bewahren und versuchen, den Gegner mit Tempo platt zu machen", erklärte er. Dabei haderte er sowohl mit dem Schiedsrichter als auch mit der Einstellung des Gegners. "Es ist nicht so leicht, wenn der Schiedsrichter die absichtlichen Zeitverzögerungen der Klausdorfer nicht ahndet und auch noch zwei Minuten früher in die Pause bittet. Die Spielweise der Klausdorfer hatte nichts mehr mit Fußball zu tun. Ich habe auch kein Verständnis dafür. Die schießen den Ball nur hinten raus, ohne einen vernünftigen Spielfluss zustande zu bringen. So macht Fußball doch keinen Spaß."

Fröhlings Gegenüber Stefan Köpke war nichtsdestotrotz auch zufrieden: "Das Glück war heute auf unserer Seite. Wir hätten höher verlieren können. Die Gegentore sind aus Situationen entstanden, die nicht so brenzlich waren wie manch andere. Taktisch waren einige überfordert. Ich freue mich aber, dass wir uns nicht durch eine hohe Niederlage blamiert haben."

Von Beginn an war Holstein die klar bessere Mannschaften mit gefühlten 90 Prozent Ballbesitz. Klausdorf stand mit einer 4-5-1-Taktik sehr defensiv und machte die Räume eng. Einzige Ballkontakte waren zunächst die Befreiungsschläge. Bis auf wenige Ausnahmen spielte sich fast die komplette erste Halbzeit in der Klausdorfer Hälfte ab. Holstein machte es sich schwer, durch die gut gestaffelte Abwehr zu gelangen. Zwar legten die Kieler tolle Kombinationen über die Außenbahnen mit Ligaleihgabe Florian Meyer und Paul Camps aufs Parkett, doch die sehenswerten Aktionen landeten entweder im Aus, am Aluminium oder ein Klausdorfer kam rechtzeitig dazwischen. Lukas Henke setzte bereits nach 60 Sekunden einen Freistoß aus 20 Metern an den Innenpfosten. Vier Minuten später vergab Steffen Bruhn aus halbrechter Position. Florian Ziehmer hatte zwei Chancen auf einmal. Erst schoss er die Abwehr an, den abgeprallten Ball eroberte Ziehmer erneut, tanzte zwei Gegenspieler aus und verfehlte knapp (15.). In der Folgezeit war Holstein zwar weiterhin die spielbestimmende Mannschaft, erspielte sich aber keine nennenswerten Torchancen mehr - bis kurz vor der Pause. Da überschlugen sich die Ereignisse. Im Minutentakt vergab Björn Kastner drei hundertprozentige Möglichkeiten. Erst schoss er den Ball an den Pfosten (42.), dann an die Latte (43.) und letztlich bekam er den Ball aus einem Meter nicht über die Linie (44.).

Nach der Pause stellte Fröhling auf drei Stürmer um. Dadurch wurde das Spiel über die Außenbahnen weniger, fortan ging es auch durch die Mitte. Nach einer Flanke von Paul Camps köpfte Steffen Bruhn rechts vorbei (49.). Holstein wirkte zunehmend ungeduldiger, drückte die Gastgeber weit in deren Hälfte. Der eingewechselte Raphael Gertz kam nach einem Bruns-Freistoß nicht an den Ball (62.), Patrick Nagel schoss aus zehn Metern links vorbei (68.) und erneut Raphael Gertz versuchte es aus 16 Metern (69.). Sieben Minuten später trafen die Kieler dann doch noch zum erwarteten Führungstreffer. Eine schöne Hereingabe von Florian Meyer, die sogar an der Unterkante der Latte landete, vollendete Steffen Bruhn zum 0:1. Holstein nahm noch einmal Fahrt auf und erhöhte noch auf 0:2. Lukas Henke zirkelte einen Freistoß aus 20 Metern über die Abwehrmauer ins Tor (86.).

Veröffentlicht: Nord Sport, 19. Oktober 2009

© 2012 Philipp Szyza | Impressum