Was ist bloß mit Kilia los?
„Was soll man dazu noch sagen?“, verließ Kilia-Trainer Frank Drews nach der 0:3-Schlappe gegen Altenholz Miene verzerrend den Platz. Es war wirklich schon erschütternd, was die Kilianer am Samstag in Altenholz ablieferten. Kaum Bewegung im Spiel, wenig Ideen, Passungenauigkeiten und Abstimmungsschwierigkeiten bestimmten ihren Kick. Doch das war längst nicht alles. Einige Spieler neigten wiederholt dazu, mit ihrem am Spielfeldrand mitgehenden, angesichts der Leistung seiner Mannen leidenden Trainer dessen Anweisungen auch noch zu diskutieren, und zwar während das Spiel lief! Die Spieler versuchten sich nach misslungenen Aktionen zu rechtfertigen, waren demzufolge mehr am Erläutern, als am Fußballspielen. „Es fing schon bei der Fehlersuche an. Anstatt sich an die eigene Nase zu fassen, suchten einige Spieler die Fehler bei vermeintlich Schwächeren“, kritisierte Trainer Drews nach dem Spiel.
Frank Drews kochte schon zur Halbzeitpause und hatte entsprechend viel seinen Akteuren zu sagen. Seine deftige Standpauke war sogar so laut, dass sie draußen vor den Kabinen, aber auch vom Gastgeber mitgehört werden konnte. „Frank hat so gebrüllt, dass meine Mannschaft nur zuhören brauchte. Ich habe mir dann einen Kaffee genehmigt“, schmunzelte TSV-Trainer Harry Witt nach dem Spiel.
Alles andere als Grund zum Schmunzeln hat derweil Frank Drews. Alle Bestrebungen des Trainers waren vergebene Liebesmüh´, denn es sollte noch schlimmer kommen. Es fielen nicht nur drei Gegentore, sondern Kilia kassierte auch noch zwei unnötige Platzverweise.
Beide Male wegen Unsportlichkeit. „Philipp Reinhold ist sonst einer der konstanten Spieler im Kader. Er sah bei dem Elfmeter aus wie der Sündenbock, aber alle müssen im Strafraum versuchen, den Ball wegzuschießen. Reinhold blieb nichts anderes übrig.“ Bei Marc Sümnik hatte es den Anschein, als wolle er frühzeitig Duschen gehen, denn obwohl er schon Gelb hatte, applaudierte er ironisch nach der Schiedsrichterentscheidung gegen Reinhold und kassierte Gelb-Rot. „Die Platzverweise sind Ausdruck der eigenen Unzufriedenheit. Es sind immer wieder die gleichen Spieler, denen die Bereitschaft fehlt, wenn es Mal eng wird“, aber das wusste Drews schon vorher und deswegen fühlt er sich in der Saisonzielsetzung ‚Platz zwölf’ bestätigt.
Die schlechte Leistung und Undiszipliniertheit der Spieler kostete Kilia am Samstag einen Punkt, „denn normalerweise spielt man in so einem müden Spiel unentschieden“, erklärte Drews. „Meine Jungs müssen viel selbstkritischer werden. Nur so kommen wir weiter.“
Jetzt ist also Wiedergutmachung angesagt. „Mit Dornbreite Lübeck und Bargteheide haben wir jedoch nicht die einfachsten Gegner auf dem Zettel“, so Drews, der sich in Zukunft von seinen Jungs auch eine bessere Trainingsbeteiligung wünscht. „Wenn man im Training schon nicht richtig in den Zweikampf geht, wie soll das dann im Spiel aussehen? Einige Spieler müssen von ihrem Möchte-gern-toll- Trip runterkommen.“
Ansonsten sieht Frank Drews Kilia nach sechs Siegen, zwei Unentschieden und sieben Niederlagen auf dem zehnten Tabellenplatz im Soll, „aber wenn wir so weitermachen wie gegen Altenholz, sind wir auf jeden Fall gefährdet. Wir müssen schnellstens die Kurve kriegen!“
Veröffentlicht: NordSport, 12. November 2007