Interview mit Theo Schneider (Trainer U23 Borussia Dortmund)
Theo Schneider spielte von 1978 bis 1982 für den BVB 44 Mal in der Bundesliga. 1982 wechselte er für eine Saison nach Nürnberg und absolvierte dort weitere 27 Erstligaeinsätze.
Der ehemalige Jugendnationalspieler wurde kurz nach Beginn der Saison 1983/84 an Rot-Weiß Oberhausen ausgeliehen. 1986 wechselte er zum 1. FC Saarbrücken, 1988 zum VfR Sölde und 1992 zu Arminia Bielefeld.
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere 1994 stieg Schneider ins Trainergeschäft ein. Unter anderem betreute er auch die A-Junioren von Borussia Dortmund. Seit dem 23.04.2005 steht Theo Schneider am Ruder der Nachwuchsmannschaft von Bundesligist Borussia Dortmund.
Im Gespräch mit dem Holstein Magazin spricht der 45- jährige zweifache Familienvater über das Saisonziel, den Lohn seiner Arbeit und Holstein Kiel.
Wie verlief Ihre Saisonvorbereitung?
Recht erfolgreich. Wir hatten Testspiele gegen Sportfreunde Siegen, LR Ahlen, SV Meppen und Union Solingen und konnten alle vier Spiele gewinnen. Außerdem absolvierten wir ein gutes Trainingslager.
Sie sind mit einem Punkt gegen Emden in die Saison gestartet. Sind Sie zufrieden?
Aufgrund des Spielverlaufs ja. Wir hätten natürlich gerne unser erstes Heimspiel gewonnen. Aber wir haben gegen eine starke Emdener Mannschaft gespielt, die in der ersten Halbzeit mehr Spielanteile hatte. In der zweiten Halbzeiten waren wir dann besser; dementsprechend waren wir beiden Trainer mit dem Punkt zufrieden. Wir können damit leben.
Was kann/muss in Ihrer Truppe noch besser werden?
Wir haben immer ein Problem als zweite Mannschaft der Profis. Am ersten Spieltag musste ich zum Beispiel drei Spieler in der Abwehrkette ersetzen, die vorher noch gar nicht zusammen gespielt haben. Im Mittelfeld und Sturm musste ich jeweils einen Spieler einsetzen, der vorher noch kein Spiel bei uns gemacht hat. Das waren Spieler, die den Profikader aufgefüllt haben und unsere Saisonvorbereitung versäumt haben.
Ein Wort zu Ihren Neuzugängen…
Sahr Senesie, der ausgeliehen vom TSG Hoffenheim zurückgekommen ist, hat bisher einen guten Eindruck hinterlassen. Das gleiche gilt für Daniel Gordon vom VfL Bochum (A), der auch früher bei uns in der B-Jugend gespielt hat. Unser dritter Neuzugang Fisnik Zeynullahu kommt von der Bochumer A-Jugend. Er ist noch ein junger Perspektivspieler, der es momentan schwer hat, in die Formation zu kommen.
Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen Ihrer Mannschaft?
Meine Mannschaft besteht aus gut ausgebildeten, technisch versierten und teilweise auch schnellen Spielern. Unsere Stärken liegen auch im Kombinationsspiel.
Die Schwächen liegen, wie bei vielen zweiten Mannschaften, in unserer Unerfahrenheit. Die Spieler müssen sich erstmal die körperliche Spielweise der Liga angewöhnen, denn sie können noch nicht so dagegenhalten, wie erfahrene abgezockte Spieler.
Sicherlich liegt ein schwieriges Jahr vor uns, weil wir eine extrem junge Mannschaft haben. Aber das ist auch der Reiz an dieser Aufgabe!
Ihre Mannschaft bildet den Unterbau für die Bundesliga- Truppe. Befürchten Sie, dass durch Abstellungen Ihre Mannschaft im Verlauf der Saison stark geschwächt wird und Sie um den Lohn Ihrer Arbeit (= guter Tabellenplatz) gebracht werden?
Der Lohn meiner Arbeit besteht auch darin, dass ich Spieler in den Profikader abgeben kann. Auf der anderen Seite ist es dann so, dass die Spieler auch noch mal von „oben“ „runter“ kommen. Wir haben in diesem Jahr einen recht großen Kader und ich hoffe, dass wir diese Situation ganz gut auffangen könnten.
Welcher Platz ist Ihr Saisonziel?
Erstmal wollen wir versuchen, nicht auf einem Abstiegsplatz zu gelangen. Das wäre schon ein Erfolg. Wenn wir uns dann noch weiter oben etablieren könnten, wäre es eine Riesengeschichte.
Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen von Holstein Kiel?
Die Kieler gelten bei vielen Kollegen als einer der heißen Kandidaten für den Aufstieg. Es ist eine erfahrene Mannschaft mit guten Spielern und mit den Ambitionen aufzusteigen. Das Spiel gegen Dresden war nicht so erfreulich, aber dementsprechend werden sie auch engagiert in den nächsten Spielen zu Werke gehen, um einen schwachen Start zu vermeiden.
Rechnen Sie sich gegen Holstein etwas aus?
Ich rechne mir in der Liga in jedem Spiel etwas aus. Wir sind in der Lage, jeder Mannschaft Paroli zu bieten, auch jede Mannschaft zu schlagen. Es ist in jedem Spiel alles möglich.
Erwarten Sie für das Spiel Verstärkung aus dem Profikader?
Das wird ganz kurzfristig entschieden. Es kommt immer auf die Konstellation der Spieltage der Profis an. Wir sind auch ohne Abstellungen der Profis in der Lage, in Kiel zu gewinnen.
Wie geht das Spiel aus?
Ich lege mich mal auf ein Unentschieden fest.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 19. August 2006