Interview mit Jürgen Koppelin (FDP)
Die NaKids-Reporter Henrik Heitmann und Jette Labza interviewten den FDP-Bundestagsabgeorneten Jürgen Koppelin in Itzehoe.
Herr Koppelin, wie lange sind Sie schon im Bundestag?
Ich bin jetzt seit 12 Jahren im Bundestag. Das ist eine lange Zeit, vor allem, weil natürlich meine Familie und
meine Kinder ein bisschen darunter leiden müssen, weil ich immer eine Woche in Berlin bin und eine Woche bin ich hier in Schleswig-Holstein. Man kriegt gar nicht mehr so richtig mit, was in der Schule läuft. Wir telefonieren viel miteinander, aber Telefonieren ist ja nicht das Gleiche wie sich am Abend in Ruhe über alles zu unterhalten. Und ich muss mir das schon manchmal aufschreiben, dass eine Englischarbeit geschrieben wurde, weil ich sonst vergesse, zu fragen, wie die Arbeit ausgefallen ist.
Wo sind Sie geboren und wo wohnen Sie?
Ich wohne jetzt in Bad Bramstedt und geboren bin ich an der Westküste in der Nähe von Büsum bei Wesselbuhren.
Haben Sie ein Auto und wenn ja, was für eins?
Ja, ich habe ein Auto, und zwar einen Audi A3. Ich bin sehr zufrieden. Auch mit einem kleineren Auto geht es wunderbar. Man muss kein großes Auto fahren.
Kennen Sie Lütjenburg?
Ja natürlich. Ich habe bisher in Lütjenburg kandidiert. Das war bisher mein Wahlkreis. Der Wahlkreis Neumünster/Plön ist jetzt völlig neu geschnitten worden. Wir haben insgesamt 60 Abgeordnete weniger, der Bundestag wird verkleinert. Dadurch sind die Wahlkreise größer geworden und so muss ich jetzt hier kandidieren und nicht mehr in Neumünster/Plön. Lütjenburg kenne ich natürlich sehr gut.
Haben Sie ein Haustier?
Meine Kinder hätten gern eins. Zum Beispiel meine jüngste Tochter ist 13 Jahre alt und hätte gern einen Hund. Ich habe gesagt: Das geht in Ordnung, aber unter einer Bedingung: Wir üben mal einen Monat lang, wir tun so, als hätten wir einen Hund und Du musst den Hund täglich zwei mal ausführen, morgens und abends. Sie hat es bis jetzt nicht durchgehalten.
Haben Sie eine Lieblingszahl und wenn ja: Welche?
Die 7 vielleicht.
Nicht die 18?
Die 18 ist jetzt ein Programm, das ist nicht meine Lieblingszahl, sondern eine Zahl, für die ich kämpfe. Die Frage ist aber gut. Ich kämpfe dafür, dass 18 Prozent der Menschen in Deutschland meine Partei wählen und dafür muss ich noch ordentlich arbeiten. Das ist einfach ein Ziel, für das man arbeiten muss.
Macht Ihnen die Arbeit für die FDP immer noch Spaß oder wollen Sie bald aufhören?
Das ist sehr unterschiedlich. Die Arbeit für die FDP bringt mir schon Spaß, aber ob Politik immer Spaß macht... lch habe festgestellt, als im letzten Jahr die Flugzeuge gegen die großen Wolkenkratzer geflogen sind, dass Politik nicht immer nur Spaß macht, dass es ganz Ernst ist und dass man sich manchmal überlegt: Warum machst Du das eigentlich? Oder jetzt bei den Hochwassern überlegt man schon, ob man wirklich genug für die Menschen tun kann. Ich glaube, dass die Politik nicht genug für die Menschen tut - und manchmal auch gar nicht kann. Die Menschen erwarten mehr, und es bringt dann keinen Spaß, weil zu viele Menschen unzufrieden sind.
Warum kämpfen Sie für 18 Prozent und nicht für 17 oder 19?
Die 18 Prozent sind einfach ein Ziel, das wir uns gesetzt haben. Das ist so ähnlich, wenn meine Tochter mir verspricht, das nächste Mal in Erdkunde auf jeden Fall eine "drei" zu schaffen. Das ist auch ein Ziel, das man sich steckt, und so nehmen wir uns diesmal die 18 Prozent vor. Und erstaunlicherweise kommt das gut an bei den Menschen. Sie mögen Leute, die sich ein Ziel gesetzt haben.
Wollen Sie etwas für die Opfer der Flutkatastrophe spenden?
Ja, wir haben hier heute für die Opfer der Flutkatastrophe gesammelt. Aber es wird noch mehr werden. Am Dienstag habe ich eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses des Bundestages. Da müssen die Gelder für die Opfer beschlossen werden. Deswegen muss ich aus dem Wahlkampf raus, muss nach Berlin und dort an wichtigen Sitzungen teilnehmen, um zu entscheiden, wie viel Geld wir zur Verfügung stellen können.
Haben Sie auch einen Lieblingsfußballverein?
Ja, aber der Verein bringt im Moment nicht so viel Freude: St. Pauli.
Haben Sie auch einen Lieblingsspieler bei St. Pauli?
Hatte ich, aber die sind jetzt weggegangen. Das ist nicht in Ordnung, dass die da weggegangen sind. Deswegen nenne ich die nicht.
Haben Sie einen Verein, den Sie nicht so gerne mögen?
Das ist unfair. Ich akzeptiere, dass es andere Vereine mit eigenen Fans gibt. Ich bin nicht so ein großer Fußball-Fan. Ich gehe zu St. Pauli-Spielen, auch weil es Spaß macht, einfach mit den Menschen dazustehen. Jetzt habe ICH aber noch 'ne Frage: Habt Ihr das alles hier so ein bisschen beobachtet? Hat Euch das gefallen, oder was hat Euch nicht gefallen?
Uns hat das hier gefallen.
Was hat Euch denn nicht gefallen? Ich will ja davon lernen.
Ach, hier jetzt...? Wir waren nur sehr kurz hier...
Ach so, alles klar. Und Ihr interessiert Euch für Politik?
Ja, doch... Wir können ja noch nicht mitwählen.
Stimmt, aber man kann sich ja schon dafür interessieren. Meine Kinder interessieren sich natürlich auch dafür. Meine älteste Tochter darf wählen, ob sie meine Partei wählt, weiß ich nicht. Das ist das einzige, was wir in der Familie nicht diskutieren, wer was wählt. Das letzte Mal hat meine Tochter einen Tag vor der Wahl gesagt, was sie wählen wird. Da hat sie allerdings gesagt: FDP, wegen Westerwelle. Das hat mich natürlich gefreut. Aber ich weiß jetzt nicht, was sie diesmal wählt. Ich finde, das muss jeder selbst entscheiden. Nur, weil ich als der Familienvater für eine bestimmte Partei kämpfe, müssen meine Kinder nicht unbedingt die gleiche Partei wählen. Meine Eltern haben früher auch etwas Anderes gewählt, und ich habe mich dann in einer anderen Partei engagiert. Ich freue mich natürlich über jeden, der für die FDP ist. Ich wünsch Euch was!
Vielen Dank für das Interview, Tschüß.
Tschüß.
Veröffentlicht: nordaktuell.de, 22. August 2002