Das Abstiegsgespenst geht um - Holstein und Neumünster in der Regionalliga

Einstelliger Tabellenplatz - so lautete vor Beginn dieser Spielzeit das Saisonziel der KSV Holstein. Mit Verstärkungen wie Andre Breitenreiter, Alexej Spasskov und Daniel Teixeira sollte es gelingen. Auch das tolle Vorbereitungsspiel gegen die Bundesligaprofis des FC Bayern München ließ trotz eines 2:6 hoffen. Aber es sollte ganz anders kommen: Die Kieler erwischten einen Fehlstart in die neue Saison. In vier Spielen fuhren sie nur sechs Punkte ein und lagen auf Abstiegsrang 15. Nach dem 0:5 Heim- Debakel gegen St. Pauli sah sich die KSV gezwungen, Cheftrainer Hans-Werner Moors zu beurlauben. Mit dem neuen Trainer Gerd- Volker Schock kam dann endlich wieder der Erfolg. 20 Punkte in 13 Spielen folgten. Dank dieser guten Ausbeute ist Holstein Kiel nun nach 19 Saisonspielen als Zehnter der Tabelle in die Winterpause gegangen. Der 53-jährige Schock brachte Stabilität in die Mannschaft. Mut machten tolle Siege gegen Rot- Weiß Essen (4:3) und Borussia Dortmund (A) (3:1)! Mit 32 Treffern haben die Kieler die drittbeste Offensive. Auch ein großer Verdienst des 35-jährigen Brasilianers Daniel Teixeira, der Neuzugang von der Braunschweiger Eintracht. Er traf bisher schon acht Mal.

Tibor Nadj, der nach einigen Spieltagen aus Braunschweig zu den Störchen stieß, belebt inzwischen das KSV- Mittelfeld. Und auch Andre Breitenreiter fand nach schwachem Beginn zuletzt zu erhoffter Stabilität. Gleiches gilt für Alexej Spasskov, den Hoffnungsträger für die rechte defensive Außenbahn. Lars Jensen, der unter Hans- Werner Moors zunächst den Vorzug gegenüber Zbigniew Ilski bekam und dem Torjäger Teixeira in drei Spielen vier Tor-Vorlagen gab, musste unter Trainer Schock seine Rolle wieder mit Ilski tauschen. Der neue Torwart Alexander Ogrinc, der vor der Saison aus Wilhelmhaven kam, sich in der Vorbereitung eine schwere Schulterverletzung zuzog und deshalb noch kein Punktspiel für Holstein bestreiten konnte, wird ab sofort den Konkurrenzkampf im KSV-Tor neu eröffnen.

Auch junge, fußballtalentierte Spieler wie Dennis Tornieporth (21), Timo Bruns (21), Julian Lüttmann (21) oder Nils Hansen (20) gehören aufgrund von DFB- Richtlinien zum festen Kader. Den Durchbruch in die Stammformation hat aber noch keiner geschafft. Am 28. Februar endet die spielfreie Zeit. Mit dem Heimspiel gegen Uerdingen geht es für die Störche weiter. Die Akteure der KSV Holstein bereiten sich darauf vom 6. bis 15. Februar im Trainingslager an der Algarve ( Portugal) vor. Dort soll dann die notwendige Fitness erlangt werden, um das Saisonziel- einstelliger Tabellenplatz- zu erreichen. Angesichts der recht ausgeglichenen Liga dürfte das Ziel durchaus realistisch sein.

Um die Durchsetzung der angestrebten Ziele dürfte man sich dagegen in Neumünster schon ernsthaftere Sorgen machen. Was ist nur los mit dem VfR? Auch nach dem 19. Spieltag bleibt der Aufsteiger in die Regionalliga immer noch ohne Sieg. Gegen die KSV Holstein verloren sie in den Punktspielen 0:4 und 1:2.Im Bezirkspokalfinale hingegen deklassierten sie die KSV im Holstein-Stadion mit 4:1!

Wie in Kiel Hans- Werner Moors, so musste auch in Neumünster der Trainer frühzeitig seinen Hut nehmen. Nach fünf Niederlagen wurde Bernd Gerulat gefeuert. Er wurde im September durch Tony Hey abgelöst. Seither spielt der VfR taktisch disziplinierter und auch erfolgreicher. Doch neun Unentschieden sind aussagekräftig, die zahlreichen VfR-Fans warten weiter auf den Durchbruch in der Schwalestadt. Dies ist aber nicht allein auf die Leistung der „Feierabendfußballer“ zurückzuführen. Vielmehr wurden die „Veilchen“ wiederholt von den Schiedsrichtern klar benachteiligt. Den ehemaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig und FC St. Pauli gelang in Ihren Heimspielen nur durch „Unterstützung“ der Männer in Schwarz jeweils noch der 1.1- Ausgleich gegen die Neumünsteraner. Holstein Kiel setzte am letzten Spieltag vor der Winterpause durch den last-minute Treffer von Sebastian Wojcik der verkorksten VfR-Vorrunde die Krone auf. Frust pur also...

Während sich die Defensive um den bärenstarken Dennis Gersdorf – er absolvierte alle bisherigen 19 Saisonspiele - inzwischen immer sattelfester präsentiert, fehlt es in der Spitze einfach noch an Durchschlagskraft. Der „Torschützenkönig“ des VfR Neumünster ist dabei mit nur vier Treffern Sven Beck. Sturmkollege und Arbeitstier Danilo Blank rackert wie ein Fußball-Verrückter, doch auch ihm mangelt es bisher am Schussglück. Licht und Schatten wechselten sich bei den meisten VfR- Akteuren ab. Spielern wie Arne Westphal, Thorben Reibe und Torsten Petersen hingegen trauen die Experten durchaus höhere Aufgaben zu. Schlusslicht ist der VfR Neumünster auch in der „Fairplay- Tabelle“: Mit fünf roten Karten, 47 gelben Karten und einmal gelb/rot haben sie auch hier die rote Laterne.

Die Neumünsteraner haben sich den Saisonverlauf sicherlich ein bisschen anders vorgestellt, wenngleich klar war, dass sie es als Aufsteiger mit lauter „Freizeitkickern“ in der Regionalliga nicht leicht haben werden. Die Hoffnung hat Spielertrainer Tony Hey aber noch nicht aufgeben: „Sonst können wir den Spielbetrieb ja gleich einstellen“, setzt er trotz der misslichen Lage auf einen optimalen Rückrunden-Start...

Veröffentlicht: Stadionmagazin „Budenzauber“, 29. Januar 2004

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