Interview mit Claus-Dieter Wollitz (Trainer VfL Osnabrück)
Claus-Dieter Wollitz begann seine Karriere bei dem Heimatverein SpVg 20 Brakel. 1987 wechselte er in die Bundesliga zu Schalke 04. Nach dem Abstieg wechselte er zu Bayer Leverkusen. Ein Jahr später heuerte er beim VfL Osnabrück in der 2. Bundesliga an, wo er der bis zu diesem Zeitpunkt teuerste Einkauf war und sich zum Publikumsliebling spielte. Innerhalb der 2. Liga ging er zu Hertha BSC Berlin, kam dort jedoch nicht zurecht und nahm die Offerte des aufstrebenden VfL Wolfsburg. Seine sechste Profistation war Erstligist 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 1996 den DFB-Pokal gewann. Es folgte die siebte Etappe in seiner Fußballerkarriere: der Zweitligist KFC Uerdingen. Zur Saison 1998/99 verpflichtete ihn der 1. FC Köln. 2002 war es dann soweit: Er stieg in das Trainerfach ein. Seine erste Station in der Regionalliga Nord war erneut der KFC Uerdingen. Nach zwei Spielzeiten wechselte Wollitz zur Saison 2004/05 zu einem weiteren ehemaligen Verein, dem VfL Osnabrück. Im Gespräch mit Holstein-Redakteur Henrik Heitmann spricht der 41-Jährige über den DFB-Pokal, eine schwierige Phase für Holstein und Stefan Böger.
Herr Wollitz, Sie sind aktuell als einziger Amateurverein noch im DFB-Pokal vertreten. Werden Sie ähnlich weit kommen, wie St. Pauli im letzten Jahr?
Das kann ich nicht sagen. Es ist schön, dass wir noch dabei sind. Wir haben gegen einen Zweit- und Erstligisten gewonnen. Normalerweise haben wir aber als klarer Außenseiter gegen einen Bundesligisten keine Chance. Trotz alledem könnte es ja wieder passieren, dass an diesem Tag alles zusammen kommt. Dann würde ich mich sehr freuen.
Wie erklären Sie sich den zur Zeit tollen Lauf Ihrer Mannschaft?
Wir haben eine gute Mannschaft, die gut harmoniert, zielorientiert und topfit ist. Gepaart mit sehr guten Spielern kann man vom VfL Osnabrück erwarten, dass sie in der Tabelle oben mitspielt.
Zur Zeit gibt es an der Tabellenspitze ein „Kopf an Kopfrennen“. Wird Osnabrück diesmal den Sprung in die zweite Liga schaffen?
Ich bin kein Hellseher. Dass wir Erster sind, ist nur eine Momentaufnahme. Es ist sehr gefährlich, wenn man sich darauf ausruht, weil zwischen uns und dem siebten Platz nur drei Punkte Unterschied sind.
Das Ziel von dem Verein und der Mannschaft war es, unter den ersten Sechs mitzuspielen. Wenn man das schaffen sollte, kann es natürlich sein, dass man die Aufstiegsplätze erwischt hat. Es wird sich bis zum letzten Spieltag hinziehen. Nur die Mannschaft schafft es, die im Umfeld die meiste Ruhe und Unterstützung hat. Jede Mannschaft kassiert mal eine Krise in der Saison. Wer da am meisten Geduld aufbringt und die sachlichen Analysen hat, der kann es am Ende schaffen.
Was muss Ihre Mannschaft noch für den Aufstieg tun?
Einfach so weiterspielen wie bisher.
Holstein befindet sich mittlerweile im Abstiegskampf. Was tun Sie dagegen, dass Ihre Spieler die Kieler nicht unterschätzen?
Da brauche ich nichts gegen tun. Jeder weiß, dass Holstein Kiel als Mitfavorit in die Liga gestartet ist. Holstein hat selber Kund gegeben, dass sie aufsteigen wollen. Wer Holstein Kiel an seinem Tabellenplatz misst, der hat schon den ersten Fehler gemacht. Man muss sie an ihrer Qualität messen. Es ist nachvollziehbar, dass es für eine Mannschaft mit Aufstiegsambitionen eine schwierige Phase ist. Ich glaube, Holstein Kiel hat genug Potential und Qualität aus dem Tabellenkeller raus zu kommen. Ich hoffe, aus eigener Interesse, nicht gegen uns.
Zahlt sich Ihrer Meinung nach der Führungswechsel in Kiel aus?
Es steht mir nicht zu, dies zu interpretieren. Das ist eine Geschichte von der Vereinsführung Holstein Kiels. Ich habe zu Stefan Böger und Peter Vollmann aus der damaligen Zeit ein gutes Verhältnis und wünsche denen viel Glück.
Was halten Sie von Ihrem Trainerkollegen Stefan Böger?
Er ist sehr angenehm und hat erfolgreich in Lübeck gearbeitet. Für mich ist die Beurlaubung nicht nachvollziehbar. Ich komme mit ihm sehr gut klar und schätze ihn.
Können Sie sich vorstellen, in Zukunft auch mal eine Profimannschaft zu trainieren?
Klar! Das ist das Ziel eines jeden Trainers in der Regionalliga. Automatisch passiert das nicht, aber ich denke, dass das in nächster Zeit stattfinden wird.
Wie geht das Spiel aus?
Tippen tue ich nicht mehr. Das habe ich mir abgewöhnt. Es wird hoffentlich ein interessantes Spiel und entwickelt sich so, wie wir uns das vornehmen. Wir wollen unseren Auswärtstrend fortsetzen. Nach dem Spiel wünsche ich den Kielern alles Gute.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel, 18. November 2006