Interview mit Pavel Dotchev (Trainer FC Rot-Weiß Erfurt)
Mittlerweile elf Jahr ist es her, dass der 28-fache Nationalspieler Pavel Dotchev nach der Saison 94 / 95 (27 Spiele, 5 Tore) die KSV Holstein in Richtung Paderborn verlies. Der heute 41-jährige Bulgare kam über Armeeklub Sofia und Levsky Sofia 1992 zum HSV in die Bundesliga. Nach einer Spielzeit wurde er für ein Jahr an ZSKA Sofia ausgeliehen. Von dort stieß er zu den Störchen. Schließlich wechselte er zum SC Paderborn, wo er nach neun Saisons ins Trainergeschäft einstieg. Seit 2005 steht er am Ruder unseres heutigen Gegners Rot-Weiß Erfurt. Beim Spaziergang mit dem Hund erreichte Holstein-Redakteur Henrik Heitmann den Trainer am Telefon.
Herr Dotchev, worin liegen die Stärken Ihrer Mannschaft?
Wir sind als Mannschaft sehr stark und nicht als Einzelspieler.
Worin die Schwächen?
Wir vergeben zu viele Torchancen. Zudem kommt noch das Verletzungspech meiner Stammstürmer Albert Bunjaku und Dominik Kumbela, die letzte Woche operiert wurden. Im Sturm werden wir in der kommenden Zeit noch mehr Probleme haben.
Sie stehen mit Erfurt auf dem sechsten Tabellenplatz. Wie sieht Ihr Saisonziel aus?
Das Ziel von uns lautet: Einstelliger Tabellenplatz. Mir persönlich ist es egal, ob wir schlussendlich den achten oder neunten Tabellenplatz belegen. Es geht mir vielmehr darum, dass wir konstant und erfolgreich spielen. Die Liga soll vor uns Respekt haben.
Was muss noch bei Ihrer Mannschaft verbessert werden?
Der Zug zum Tor fehlt uns einfach noch. Das müssen wir auf jeden Fall verbessern.
Wer wird diese Saison um den Aufstieg fighten?
Wenn man sieht, wie dicht die Mannschaften gestaffelt sind, kommen mehrere für den Aufstieg in Frage. Vor der Saison hätte ich nie gedacht, dass der 13. vom ersten Tabellenplatz nur sechs Punkte entfernt liegen würde und noch aufsteigen könnte. Da die Saison ja noch lange dauert, ist noch alles möglich.
Dynamo Dresden und VfL Osnabrück sind meine Aufstiegskandidaten. Neben denen haben noch mindestens sieben andere Mannschaften das Zeug dazu, wie z. B. der Wuppertaler SV. Ich bin auf den Saisonausgang gespannt, denn es gibt ja jedes Jahr einige Überraschungsmannschaften.
Holstein hat sein letztes Heimspiel gegen Tabellenführer Osnabrück gewonnen. Fürchten Sie für Ihre Mannschaft ein ähnliches Schicksal?
(Lacht) Das ist ja eine sehr gute Frage. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Jede Mannschaft spielt für sich alleine. Wir werden kämpfen und versuchen, Kiel das Leben schwer zu machen. Kiel wird nach dem Sieg gegen Osnabrück mehr Selbstvertrauen und Motivation haben. Das Auswärtsspiel in Kiel wird nicht einfach für uns.
Wie gut kennen Sie als ehemaliger Holsteiner den jetzigen Kader?
Den Kader kenne ich sehr gut. Wir haben in den letzten Jahren schon häufig gegeneinander gespielt. Einige Spieler kenne ich schon seit vielen Jahren.
Was hat Erfurt, was Holstein Kiel nicht hat?
(Lacht und überlegt) Bis auf die beiden Ausfälle im Sturm, ist meine Mannschaft besser eingespielt.
Ihr Kollege Pele Wollitz sagt, dass es das Ziel eines jeden Regionalligatrainers ist, einmal einen Profikader zu trainieren. Welcher Club steht denn bei Ihnen im Blickpunkt?
Bayern München!
Wie geht das Spiel aus?
Die bessere Mannschaft soll gewinnen.
Veröffentlicht: NordSport, 3. November 2006