Interview mit Thomas Wolter (Trainer Werder Bremen II)

„Nur das Kaffeetrinken mit Frank kommt zu kurz!“

Worin liegen zur Zeit die Stärken und Schwächen Ihrer Mannschaft?
Dem Stadion- Magazin von Holstein Kiel werde ich nicht gerade unsere Stärken und Schwächen verraten. Frank Neubarth kennt sie und wird für seine Mannschaft schon entsprechend darauf einstellen.

Wie gut kennen Sie Holstein Kiel?
Durch unsere Beobachtungen wissen wir eine ganze Menge über die Stärken und Schwächen von Holstein Kiel. Äußern möchte ich mich darüber aber nicht, weil es die Spieler von Holstein Kiel dann natürlich auch lesen würden. Wir werden versuchen, dafür zu sorgen, dass wir die Schwächen der Kieler nutzen und sie gleichzeitig ihre Stärken nicht entfalten können.

Einige Traditionsclubs würden es gerne sehen, wenn Amateurmannschaften von Profi-Clubs nicht mehr in den Regionalligen spielen würden. Was sagen Sie dazu?
Für eine gute Ausbildung unserer Spieler ist die Regionalliga lebensnotwendig. Es ist für uns optimal, mit den Amateuren in dieser Klasse zu spielen, denn so konnten wir schon unglaublich viele Spieler in den Profikader hoch gegeben. Nichtsdestotrotz hat man als Amateurverein von Proficlubs aber immer das Problem, dass nicht so viele Fans mitreisen.

Ihre besten Spieler wechseln häufig in die Profi- Mannschaft, wie im letzten Sommer Nelson Haedo Valdez, oder zu anderen Clubs der 1. oder 2. Liga, wie z.B. Simon Rolfes zu Alemannia Aachen. Zeitweise müssen Sie auch Spieler an die Profis abtreten, wenn dort z.B. wegen zahlreichen Verletzten Not am Mann ist. Die Leistungsstärke der Amateurmannschaft leidet darunter. Macht Ihnen das eigentlich als Trainer Spaß?
Das ist ja meine Aufgabe. Wenn mir das keinen Spaß machen würde, dann würde ich diese Arbeit nicht machen. Es ist klar, dass man als zweite Mannschaft eines Bundesligisten „Nachschub“ für den Profi- Kader liefern muss. Für meine Jungs ist es auch schon mal ganz toll, wenn sie da mal hineinschnuppern können.

Welche Spieler aus dem aktuellen Amateur- Kader haben das Zeug, in absehbarer Zeit auch den Sprung in den Profi- Bereich zu schaffen?
Alle Jungs haben das Zeug, irgendwann mal da oben mitzuspielen, aber es sind immer nur ganz wenige, die das schaffen. Da gehört schon was zu. Man braucht eine ganze Menge Glück, man muss verletzungsfrei bleiben, darf nicht krank werden.
Bestimmte Namen zu nennen, ist schwierig. Mit Aaron Hunt sind wir schon ein wenig voran- gekommen. Er ist jetzt im Profikader und hat schon zeitweise gespielt. Andere werden bestimmt noch mal in den Liga- Kader rein riechen. Aber wer es letztendlich zum Bundesligaspieler schafft, das weiß ich noch nicht.

Sie sind seit über 20 Jahren bei Werder Bremen. Wird es Ihnen in Bremen nicht langweilig?
(Wolter lacht) Das bin ich von vielen schon gefragt worden, aber nennen Sie mir mal einen deutschen Verein, der besser ist als Werder Bremen…?! Als Spieler wie auch als Trainer muss man sich schon sehr, sehr gut überlegen, ob man überhaupt etwas anderes macht! Ich habe als Spieler und als Trainer bei Werder schon viel erlebt und viel gelernt. Dafür bin ich dem Verein sehr dankbar. Und die Arbeit macht mir viel Spaß!

Können Sie sich vorstellen, auch mal eine andere Mannschaft als die Amateure von Werder Bremen zu trainieren?
Als Trainer möchte ich noch ein bisschen höher kommen, dass ist für mich klar. Ich habe ja nicht meine Ausbildung zum Fußballlehrer gemacht, um 40 Jahre die Amateure von Werder Bremen zu trainieren! Bei Werder Bremen gibt es aber nicht so viele Alternativen.
Ich habe noch einen Vertrag bis 2007, den ich erfüllen werde. Was dann kommt, weiß ich noch nicht.

Sie spielten über 12 Jahre spielten mit KSV- Trainer Frank Neubarth zusammen bei Werder und wurden gemeinsam Deutscher Meister. Sie sind mit ihm sogar befreundet. Was schätzen Sie an ihm?
Ich schätze eine ganze Menge an ihm. Wir stehen schon über 20 Jahren in Kontakt. In der Zeit hat sich eine ganze Menge zwischen uns entwickelt. Wir telefonieren häufig miteinander und haben schon die eine oder andere Feier zusammen erlebt. Nur das Kaffeetrinken ist in den letzten Jahren ein bisschen zu kurz gekommen, seitdem er in Kiel und ich in Bremen arbeite. Als Trainer macht Frank seine Arbeit sehr gewissenhaft. Die Spielbeobachtungen macht er immer selbst. Er bereitet sich sehr intensiv auf die Gegner vor.

Was sagen Sie zu den derzeitigen Schiedsrichterentscheidungen?
Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Schiedsrichterentscheidungen werden gefällt, und dann ist es einfach so. Das nehme ich auch so hin. Dagegen kann ich sowieso nichts machen.

Bei Entscheidungen von Schiedsrichtern, die den Zuschauern nicht gefallen, hallt es zur Zeit „Hoyzer“ den Schiedsrichtern entgegen. Ihr Kommentar dazu.
Das ist normal. Ich denke, den Schiedsrichtern macht das mittlerweile nichts mehr aus. Vielleicht geht das noch einen Monat so, dann hört das auf und keiner redet mehr darüber.

Was ist Ihr Saisonziel? Welchen Platz belegt Ihr Team am Ende der Saison?
Wir wollen nicht absteigen und möglichst viele Spieler an den Bundesligakader heranführen.

Welchen Platz nimmt Ihrer Meinung nach Holstein Kiel am Ende der Saison ein?
Die Kieler werden am Ende der Saison fünfter oder sechster. Wenn sie ein bisschen vom Verletzungspech verschont geblieben wären, wären sie sicherlich ganz vorne dabei gewesen.

Wer steigt auf, wer steigt ab?
Über den Abstieg möchte ich lieber nicht reden, da es uns auch noch selbst erwischen kann. Heiße Kandidaten für den Aufstieg sind Paderborn, Braunschweig, Lübeck und Osnabrück.

Das Hinspiel in Bremen verloren Sie gegen Holstein Kiel deutlich mit 1:4. Wird Ihr Team in Kiel wieder so deutlich verlieren?
Nein, ich hoffe nicht! Denn egal, wo wir hinfahren, wir wollen dort gewinnen. Wir wollen so schnell wie möglich die erforderlichen Punkte sammeln, um da unten raus zu kommen. Dazu gehört, dass wir einigermaßen gut in Kiel aussehen. Einen Tipp, wie das Spiel ausgehen wird, gebe ich aber nicht ab, denn ich tippe grundsätzlich nicht.

Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel, 2. April 2005

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