„Afrika hat mein Denken geprägt!“ Die Peter Vollmann- Story
Ganze zwölf Monate arbeitete Peter Vollmann seit November 2005 in Ghana. Mit katastrophalen Lebensverhältnissen musste er zu Recht kommen. Dass er unter 45 Grad im Schatten, ohne seine Familie und jeden zweiten Tag zwölf Stunden ohne Strom lebte, waren nur „kleine“ Probleme. Aber Vollmann wollte es wissen. Die besondere Herausforderung und die Unkenntnis vom ghanesischen Fußball reizten ihn. Der heutige Trainer des Spitzenclubs Kaizer Chief Ernst Middendorp knüpfte einst die Kontakte zwischen Vollmann und „Real Tamale United“, von wo aus er zwei Monate später zu „Real Sportive Accra“ wechselte.
In Tamale wohnte Vollmann in dem einzigen Hotel des Dorfes und lernte gleich die Lebensweise der Ghanesen kennen: „Teilweise haben die Menschen in Lehmhütten am Stadtrand gelebt“, berichtet er heute. Am problematischsten sei allerdings die Ernährung mit afrikanischen Lebensmitteln gewesen. Zumeist ernährte sich Vollmann von Obst, denn „von dem Essen, was einem dort angeboten wird, kann man sich normalerweise als Europäer nicht ernähren. Die essen Buschratten und Affen.“
Der Alltag begann morgens um 8.00 Uhr mit der Fahrt zum Training. Eineinhalb Stunden später ging es auf den Trainingsplatz, der sehr versandet war. Doch Vollmann störte das nicht: „Man kann das Wasser nicht in den Rasen investieren und nebenan verdursten die Leute.“ Um 13.00 Uhr war die tägliche Trainingsarbeit vorbei. „Es ist für einen Deutschen eine Belastung, unter dieser Hitze zu arbeiten“, sagt er. Seine Hausaufgaben, wie neue Trainingseinheiten erstellen, musste der 49- jährige im Hotel machen, denn die Vereine hatten kein Klubgelände.
Zu Auswärtsspielen fuhr man zwei Tage vorher los, damit Zeit genug für die meist eintägige Busfahrt und das anschließende Trainingslager war. Vor dem Essen, sowie vor und nach den Mannschaftssitzungen wurde gebeten und gesungen. „Ich war der Einzige, der nicht mitgesungen hat“, beichtet der Sportliche Leiter. Auch die Stimmung der rund 50.000 Fans (!) in Accra war stets sehr gut. „Da gibt es keine Gesänge, sondern nur Trommeln und Blasinstrumente. Die Fans des einen Klubs trommeln, die des Gegners spielen mit Blasinstrumente.“ Der Geräuschpegel sei unerträglich gewesen. Zusätzlich gab es noch bemerkenswerte Situationen: Nicht nur, dass einem Schiedsrichter die Zeit davonlief und eine Halbzeit 15 Minuten länger dauerte, sondern auch die mindestens zehn Polizisten mit Maschinengewehren hinter der Trainerbank, die sowohl die Mannschaft, als auch die Schiedsrichter vor Fanangriffen schützten. „Das war sehr belastend für mich“, kann sich Vollmann erinnern. Privat vermied er es, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, denn wurde er erkannt, was ihm allerdings selten passierte, standen sofort 60 Leute um ihn herum.
Während seiner Zeit in Ghana wurde er sensibel für typhuskranke Menschen und gründete ein Projekt zur Vor- und Nachsorge Typhuskranker. „Afrika hat mich in meinem ganzen Denken schon geprägt.“
Persönlich sammelte Peter Vollmann viele Erfahrungen in Ghana, jedoch konnte er nichts Berufliches mitnehmen, was in Zukunft den „Störchen“ helfen könnte.
Veröffentlicht: Kieler Nachrichten, 7. Dezember 2006