Interview mit Paradiesvogel Ansgar Brinkmann
„Man muss die Farben des Vereins tragen!“
Sie sind von Dresden zu Münster gewechselt. Warum ausgerechnet Münster?
Preußen Münster ist kein Neuland für mich. Ich kenne den Verein, die Strukturen. Der Verein hat auch eine lange Tradition. Außerdem studiert meine Freundin seit vier Jahren in Münster und die Tochter von meinem Bruder spielt beim SC Münster Volleyball in der ersten Liga. Es gab also genug gute Argumente für mich, nach Münster zu gehen.
Wie sind Sie in Münster aufgenommen worden?
Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Die Mannschaft macht es mir sehr leicht gemacht. Ich habe schon gespürt, dass ich hier noch viele Freunde habe.
Wo liegen die Stärken bei Preußen Münster?
Wir sind eine Mannschaft, die ihre Kräfte bündeln wird. Wir haben trotz des schlechten Tabellenplatzes eine gute Stimmung und halten zusammen,
Was ist notwendig, damit Preußen Münster den Klassenerhalt schafft?
Wir besitzen die Typen, um uns als Mannschaft selbst aus der Situation herauszubringen.
Wir können alles machen, alles tun, aber ein Quäntchen Glück brauchen wir natürlich, denn die anderen Mannschaften spielen ja auch nicht nur aus Jux und Dollerei Fußball! Ich weiß zwar nicht, welche fünf Mannschaften absteigen, aber wir nicht!
Ein Wort zu Dynamo Dresden…
Dynamo Dresden war eine unglaubliche Erfahrung, eine klasse Zeit. Als ich vor einem Jahr nach Dresden wechselte, stand der Club auf Rang 18. Alle hatten gesagt: Ansgar, du kannst nicht nach Dresden gehen, die sind schon tot, die sind schon abgestiegen! Das Wasser stand dem Club tatsächlich bis zum Hals. Und dann sind wir auf den 8. Platz marschiert! Das war unglaublich! Der Verein besitzt viel Potential und wird mit seinen tollen Fans und dem ab Sommer fertigen neuen Stadion niemals untergehen. Ich wünsche dem Verein jedenfalls alles Gute!
Sie gelten als der Paradiesvogel des deutschen Fußballs. Wie finden Sie den Spitznamen?
Ich habe mir darüber immer wenig Gedanken gemacht. Ich weiß aber, dass ich mir in zwanzig Jahren Profifußball viel Respekt erarbeitet habe. Das kann mir keiner mehr nehmen!
Was ist Ihre Fußballphilosophie?
Ich sag jungen Spielern immer, ihr müsst euch mit eurem Verein identifizieren, müsst die Farben tragen, wenn ihr zu einem Verein wechselt. Wenn man das nicht macht, hat man keine Chance, gute Leistung zu bringen. Das ist eine Kettenreaktion bei den eigenen Mitspielern, bei den Trainern, bei den Sponsoren, bei der Presse, bei den Fans. Die Leute müssen sagen, es ist gut, dass du hier bist.
Bei welchem Club wären Sie gern mal unter Vertrag gewesen?
Ich hätte gerne mal richtige „Granaten“ auf dem Spielfeld um mich rum gehabt! In einem Topverein wie dem HSV hätte ich gerne mal gespielt.
Es ist aber nicht so einfach aufzufallen, wenn man bei Mannschaften spielt, die immer unten drin sind. Es tut mir ein bisschen weh, dass ich es nicht geschafft habe, aber damit muss ich leben.
Wie viel Jahre wollen Sie noch als Profi spielen?
Ich bin jetzt 36 Jahre alt und will erstmal Preußen Münster auf einen guten Weg bringen. Eventuell hänge ich dann noch ein Jahr dran. Ich werde, so wie es aussieht, in Münster meine Karriere beenden.
Was kommt nach der Fußballkarriere?
Ich habe einen Perspektivvertrag, was will ich mehr! Deshalb habe ich mich letztlich auch für Münster entschieden. Ich kann jetzt Fußballspielen und danach geht’s im sportlichen Management hier weiter. Dann werde ich hinter den Kulissen alles Menschenmögliche für Preußen Münster tun. Ich werde meinen Trainerschein machen. Darauf freue ich mich, denn ich bleibe damit dem Profi- Fußball, der mir soviel gegeben hat, erhalten.
Wie schätzen Sie die Mannschaft von Holstein Kiel ein?
Holstein Kiel schätze ich sehr stark ein. Der Club hat richtig gute Chancen, in diesem Jahr aufzusteigen. Da gibt’s natürlich auch Gründe: Die Verantwortlichen, die dort die Geschicke lenken und leiten, handeln kontinuierlich und mit Bedacht. Sie kaufen nicht von heute auf morgen mit Geld irgendeine Truppe zusammen, die dann vielleicht gar nicht zusammenpasst. Stattdessen wächst alles gut zusammen. Dies registriert man weit über die Grenzen von Schleswig- Holstein hinaus. Ich glaube, dass Holstein Kiel dafür belohnt wird.
Wie geht das Spiel in Kiel aus?
Alles andere als ein Kieler Sieg wäre aus Münsteraner Sicht eine Überraschung. Das muss man einfach so ehrlich sehen.
Das Interview mit Ansgar Brinkmann führte Henrik Heitmann.
Steckbrief:
Ansgar Brinkmann Mittelfeldspieler
Geboren am: 05.07.1969
In: Vechta (Niedersachsen)
Verlobt mit Inga Kusik (studiert in Münster Produktdesign)
Bis 1987:
FC Bakum
BW Lohne
Bayer 05 Uerdingen
1987-91 VfL Osnabrück
1991-93 Preußen Münster
1993-95 FSV Mainz 05
1995 Preußen Münster
1995/96 FC Gütersloh
1996 FC Verl
1996/97 FC Gütersloh
1997 BV Cloppenburg
1997-99 Eintracht Frankfurt
1999-2000 Tennis Borussia
2000-01 VfL Osnabrück
2001-03 Arminia Bielefeld
2003: LR Ahlen
2004: FC Kärnten
2004/2005: Dynamo Dresden
2005: Dynamo Dresden
2006: Preußen Münster
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 18. Februar 2006