Interview mit Silke Lorenz (Bürgermeisterin Lütjenburg)

Lütjenburgs Bürgermeisterin Silke Lorenz im Gespräch mit NaKids-Reporter Henrik Heitmann.

Silke Lorenz ist die erste Frau, die Bürgermeisterin von Lütjenburg wurde. Nach der ebenfalls ersten Bürgermeister-Direktwahl in der schleswig-holsteinischen Stadt in der Nähe von Kiel leitet sie seit dem 15. November 2002 die Stadtverwaltung. NaKids-Reporter Henrik Heitmann hatte die Möglichkeit, im Rathaus Lütjenburgs ein Interview mit Silke Lorenz zu führen.


Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit als Bürgermeisterin?
Sehr gut

Was gefällt Ihnen daran?
Mir gefällt, dass ich immer mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun habe und sehr viel für diese wunderschöne Stadt Lütjenburg tun kann.

Waren Sie sich vor der Wahl sicher, dass Sie gewinnen?
Nein.

Weshalb nicht?
Weil es sich um eine Wahl handelt, und am Anfang war ich der Auffassung, dass meine Chancen eher nicht so gut sind. Ich bin angetreten gegen einen Amtsinhaber, der sechs Jahre lang Politik machen konnte, der bekannt war hier in Lütjenburg. Ich komme ja von außerhalb, mich kannten hier wenig Leute. Da habe ich am Anfang gedacht, dass es zumindest nicht einfach wird. Im Laufe des Wahlkampfes hat sich das dann etwas verändert, weil ich aufgenommen habe, wie die Stimmung hier in der Stadt ist und zum Ende hin wusste ich auf jeden Fall, dass es knapp werden würde, aber dass ich gewinne, das wusste ich nicht.

Wie finden Sie die Stadt Lütjenburg? Was finden Sie gut?
Die Stadt Lütjenburg finde ich vor allem städtebaulich sehr schön. Ich finde, Lütjenburg präsentiert sich sehr gut dadurch, dass es eine gewachsene alte Stadt ist. Hier sind sehr viele Städtebau-Förderungsmittel besonders in den Innenstadtbereich hineingeflossen. Ich finde, dass das außerordentlich einladend wirkt, auch auf Menschen, die Lütjenburg vorher nicht kannten.

Welche Schwerpunkte haben Sie?
Ein Schwerpunkt ist zum Beispiel, die Innenstadt möglichst so zu erhalten, wie sie im Moment ist. Das heißt, ich lege viel Wert darauf, dass man als Stadt seine Verantwortung wahrnimmt im Hinblick darauf, was städtebaulich in den nächsten Jahren passiert. Man kann sich ja überlegen, welche planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft eine Stadt, um bestimmte Betriebe anzusiedeln oder bestimmte Betriebe in bestimmten Bereichen auch nicht anzusiedeln. Hier muss mit großer Vorsicht umgegangen werden, um den Bereich, den wir jetzt haben, so zu erhalten.

Was haben Sie in Zukunft für die Jugendlichen vor?
Für die Jugendlichen bauen wir im Moment ein neues Haus der Jugend hinten am Schulzentrum. Das kennst Du wahrscheinlich. Da wird ziemlich viel Geld investiert, das kostet über 600 000 Euro, das ist schon `mal `ne ganze Menge. Dadurch wird auf jeden Fall das Raumangebot für die Jugendlichen hier verbessert. Wir werden mehrere Angebote unterbreiten, gerade für Kinder und Jugendliche finde ich sehr wichtig, dass auch in Zukunft soweit es denn finanziell möglich ist, Betreuung angeboten wird, dass Mütter beispielsweise auch einer Arbeit nachgehen können.

Warum hat das Haus der Jugend nur bis 18 Uhr auf und in den Ferien zu?
Das Haus der Jugend hat meines Wissens nur mittwochs bis 18 Uhr auf und sonst bis 19 Uhr und freitags sogar bis 20 Uhr. Ich habe `mal mit dem Betreuer und mit dem Stadtjugendpfleger dort gesprochen, und die haben mir gesagt, die Jugendlichen können das auch mitbestimmen, wie die Öffnungszeiten sind. Und in der Vergangenheit war das eben so, dass die Jugendlichen eben nach Hause gegangen sind und der Bedarf nicht da war. Wir werden auf jeden Fall die Öffnungszeiten, wenn das neue haus der Jugend eröffnet, noch einmal über denken und dann vielleicht auch weiter in die Abendstunden gehen.

Das Haus der Jugend hat so wenig Spiele. Kann man nicht welche anschaffen?
Im Haus der Jugend ist glaube ich ein Billardtisch vorhanden, Tischfußball, Dart, Tischtennis, und da kann man natürlich darüber streiten, ob das nun wenig Spiele sind oder viel. Man muss natürlich wissen: Geld ist im Moment ziemlich knapp. Man sollte berücksichtigen, das wir im Moment schon sehr viel für Jugendliche tun, indem wir solch einen Neubau für 600 000 Euro hinsetzen. Findest du denn, dass da zu wenig Spiele sind?

Ja, zum Beispiel Hovercraft fehlt.

Das gibt es doch im SOS-Kinderdorf, oder?

Ja, genau.
Muss das denn die Stadt auch noch anschaffen?

Na ja, das wäre nicht schlecht. Im Kinderdorf sind immer viele Kinderdorf-Kinder. Da sind die Spiele meistens belegt.
Ja, das müssen wir `mal überlegen. Also im Moment hat erste Priorität dieser Neubau, und wenn wir es dann noch schaffen, an der einen oder anderen Ecke, Geld zu sparen, dann kann man sicherlich darüber nachdenken, noch ein Spiel anzuschaffen.

Im Bereich des Kreisels Schönberger Straße/Kieler Straße gehen fast alle Kinder des Schulzentrums auf der Straßenseite der Kaserne zur Schule. Im Winter ist es da morgens sehr dunkel. Können da nicht Laternen errichtet werden?
Gute Idee, aber ähnliche Antwort wie vorhin: Wir müssen sehr darauf achten, wofür wir unser Geld ausgeben. Und so eine Straßenlaterne ist sehr teuer. Wir müssten Kabel in die Straße legen, die Straße müsste aufgebaggert werden. So eine Laterne kostet dann locker mal eben rund 5000 Euro. Wir haben weitere größere Projekte in der nächsten Zeit. Wir haben andere Aufgaben, die wir übernommen haben aus der Vergangenheit, zum Beispiel die große Scheune, wo noch nicht ganz klar ist, was mit ihr passieren soll. Dann ist in der Diskussion ein Feuerwehrhaus. Mir ist auch die Ausstattung der Schulen wichtig. Wenn ich höre, dass die Schulen alte Bücher haben, das ist dann vielleicht noch ein bisschen wichtiger als Straßenlampen. Ist es da echt so schlimm?

Ja, es ist sehr dunkel morgens, besonders für die Kinder, die laufen. Ich habe Licht an meinem Fahrrad.
Das ist doof, klar. Man wird aber auch nie eine perfekte Stadt hinbringen. Man kann immer nur sehen, wo sind die Interessen und wo können wir mit möglichst geringen Mitteln irgendetwas machen.

Der Vogelberg ist seit vielen Jahren der tollste Rodelberg der Stadt. Aber jetzt wurden Bäume gepflanzt, Findlinge gesetzt und ein Teich angelegt. Jetzt ist das Rodeln auf dem Vogelberg sehr gefährlich. Wie sehen Sie das?
Ja, ich kenn die Problematik. Die Steine wurden im letzten Jahr da schon hingelegt, das war unter anderem auch eine Idee der Lütjenburger Schützen- und Totengilde. Die Steine wurden da für viel Geld hingelegt. Wenn wir jetzt sagen, dass wir die Steine wieder wegräumen, dann wird das wieder Geld kosten. Man muss überlegen, was man tut. Wir haben dann die Steine mit Stroh abgedeckt, damit es nicht mehr ganz so gefährlich ist. Ich habe hier letzte Woche aber auch schon mit einem Vater gesessen, der einen Unfall hatte. Wir werden uns die ganze Sache vor Ort noch einmal auch zusammen mit der Schützengilde angucken, um zu sehen, ob wir da eine Verbesserung erreichen können. Mal sehen, ob wir dieses Jahr überhaupt noch einmal solche Rodelverhältnisse haben werden.

Haben Sie schon mal in der Ostsee gebadet? Wann war es das letzte Mal?
Hab ich, das war glaube ich im letzten Sommer. Aber ich tu das nicht so gerne, es ist mir meistens zu kalt.

Welche Hobbys haben Sie?
Nicht so richtig Ostseebaden! Ich lese gern, ich mag mit Inlinern durch die Gegend fahren, wenn ich denn überhaupt Zeit habe, und ich fahre auch gern Motorrad.

Wie lange wollen Sie Bürgermeisterin bleiben? Haben Sie noch weitere berufliche Pläne?
Ich möchte auf jeden Fall so lange Bürgermeisterin bleiben, wie die Menschen hier in Lütjenburg sagen: "as ist unsere Bürgermeisterin. Das finden wir gut, was sie macht. Da stehen wir dahinter". Gewählt bin ich für sechs Jahre. Ich persönlich finde es ganz schwer zu sagen: "Ich bleib` hier bestimmt acht oder zehn Jahre". Das kann ich bis jetzt noch nicht überblicken. Man muss auch mal sehen, wie sich das hier entwickelt. Ich arbeite hier sehr gerne und bin sehr gerne Bürgermeisterin.

Danke für das Interview.
Bitte sehr!

Veröffentlicht: nordaktuell.de, 31. Januar 2003

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