Interview mit Pavel Dotchev (Trainer SC Paderborn)
„Ich habe nichts dagegen, wenn Paderborn UND Kiel aufsteigen!“SC Paderborns- Trainer Pavel Dotchev im Interview
10 Jahre ist es jetzt her, dass der 28 – fache Nationalspieler Pavel Dotchev nach der Saison 94 / 95 (27 Spiele, 5 Tore) die KSV Holstein in Richtung Paderborn verlies und dort nun seit 2003 als Trainer unseres heutigen Gegners SC Paderborn 07 arbeitet. Der heute 39 - jährige Bulgare, der über Armeeklub Sofia und Levsky Sofia 1992 zum HSV in die Bundesliga kam, von dort nach einer Spielzeit für ein Jahr an ZSKA Sofia ausgeliehen wurde und dann zu den Störchen stieß, stellte sich bereitwillig den Fragen des Holstein Magazins.
Wie war Ihr Trainingslager auf Mallorca?
Dotchev: Es lief nicht gerade so, wie ich es mir gewünscht hatte. Unmittelbar vor Beginn des Trainingslagers wurde bekannt, dass der Ex- Referee Robert Hoyzer das DFB- Pokalspiel gegen den HSV manipuliert hatte. Die Spieler waren sehr dahinterher zu erfahren, was die Medien über Paderborn berichteten. Deswegen waren die Spieler in den ersten drei Tagen auf Mallorca sehr unkonzentriert. Es ist menschlich, dass die Spieler in der Phase nicht das gezeigt haben, was ich mir vorgestellt habe.
Hinzu kommt, dass ich in der Vorbereitung auf einige Leistungsträger wie Georgi Donkov, Daniel Cartus und Rene Müller verletzungsbedingt verzichten musste. Thijs Waterink ist bekanntlich wegen des Wettskandals vom Verein freigestellt, bis alle Fragen geklärt sind. Das alles beeinflusst natürlich die Leistung und Konzentration. Nichts desto trotz hat die Mannschaft diese ganze Problematik gut weggesteckt. Die letzten Testspiele geben mir ein gutes Gefühl.
Worin lag der Schwerpunkt Ihrer Arbeit im Trainingslager?
An erster Stelle stand Ballarbeit, Taktik und Spielform, weniger Laufarbeit.
Worin sehen Sie die Stärken Ihres Teams?
Die Mannschaft hat sich in der Hinrunde sehr gut verkauft. Das Team passt sehr gut zusammen. Geschlossenheit ist unsere Stärke. Ich habe auch eine gute Mischung von erfahrenen Leuten und jungen Leuten.
Sie stehen momentan auf dem 2. Platz. Wie sieht Ihr Saisonziel aus?
Seit Saisonbeginn hat sich unser Ziel nicht verändert: Wir wollen in die 2. Bundesliga aufsteigen! Das Potential dafür haben wir. Die Ausgangssituation ist sehr gut, aber das bedeutet noch nicht, dass schon alles gelaufen ist. Wir haben noch 16 Spiele, alles ist noch offen. Das wird noch sehr spannend.
Sind Sie stark genug für die 2. Liga?
Mit dieser Mannschaft die 2. Liga zu überstehen, wäre nicht einfach. Wenn wir aufsteigen sollten, dann werde ich mir über die eine oder andere Neuverpflichtung Gedanken machen.
Wen sehen Sie als Konkurrenten um den Aufstieg?
Es sind mehrere Mannschaften. Der VfL Osnabrück, Eintracht Braunschweig und der VfL Lübeck sind starke Teams, die noch mitmischen können. Aber auch Holstein Kiel darf man nicht außer Acht lassen. Kiel hat einige Spieler aus der 2. Bundesliga verpflichtet, und das wurde nicht nur deshalb gemacht, um in der Regionalliga guten Fußball zu spielen!
Im März wird entschieden, ob das neue Stadion gebaut wird. Wie groß ist die Chance, dass das neue Stadion kommt?
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Stadion auf jeden Fall gebaut wird. Es sind nur noch ein paar finanzielle Fragen zwischen Stadt und Verein zu regeln.
Was erhoffen Sie sich durch das neue Stadion?
Unser Hermann- Löns- Stadion liegt am Rande der Stadt und ist schon ziemlich alt. Mit dem neuen Stadion schaffen wir ein besseres Umfeld für die Spieler und die Zuschauer. Wir erhoffen uns noch mehr Euphorie, denn die Leute sind hier eigentlich sehr Fußball begeistert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Paderborn mit einem neuen Stadion und mehr Zuschauern dann in der 2. Liga eine gute Zukunft hätte.
Sie waren als Spieler bei Holstein Kiel. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Licht und Schatten! Die Stadt selber hat mir sehr gut gefallen, dort habe ich mich sehr gut gefühlt. Auch die Kollegen waren OK. Leider steckte der Verein in der Zeit im finanziellen Chaos, so dass auch der ursprünglich geplante Aufstieg, für den ich ja gekommen war, nicht klappen konnte.
Was hat Ihre Mannschaft, was Holstein Kiel nicht hat?
Holstein Kiel ist nicht schlechter als wir. Auch Kiel hat ein riesiges spielerisches Potential. Wir sind jedoch in unserer Leistung konstanter.
Welchen Platz wird Holstein Kiel am Ende der Saison einnehmen?
Ich habe nichts dagegen, wenn der SC Paderborn und Holstein Kiel aufsteigen!
Wie geht das Spiel Holstein Kiel gegen den SC Paderborn aus?
Ich spiele jedes Spiel auf Sieg. Deshalb wünsche ich mir, dass wir auch in Kiel als Sieger vom Platz gehen.
Thema Wett- und Manipulationsskandal:
Was sagen Sie zum Wett- und Manipulationsskandal?
Das ist wie mit Doping: So etwas hat im Fußball wie im gesamten Sport überhaupt nichts zu suchen. Der SC Paderborn ist leider indirekt betroffen, aber wir müssen uns nicht verstecken, weil wir nichts Schlimmes gemacht haben. Dass wir den HSV im Pokal geschlagen haben, sehe ich nicht als Sensation an, da wir gut gespielt haben. Der HSV befand sich zu der Zeit in einer sportlichen Krise, war aus dem UI – Cup ausgeschieden und stand auf einem Abstiegsplatz. Wir hingegen haben auch in den Spielen danach gegen den MSV Duisburg (2:1)und den FC Freiburg (3:6 n. E.) gezeigt, dass wir uns auch mit Bundesligisten messen können. Man sollte jetzt unsere Leistung nicht schlecht machen und weiter auf uns draufhauen.
Was sagen Sie dazu, dass Ihre Mannschaft auch Geld bekommen hat?
Am Tag nach dem HSV – Spiel hat jeder Spieler nach dem Auslaufen 500 Euro bekommen. Keiner hat gewusst, woher das Geld kommt, jeder hat gedacht, dass einer unserer Sponsoren für die gute Leistung gegen den HSV 10.000 Euro für die Mannschaftskasse gegeben hat. Jeder hat das für selbstverständlich gehalten. Es würde sich keiner für 500 Euro strafbar machen. Meine Spieler haben Geld bekommen, um das Spiel zu gewinnen und nicht, um es zu verlieren. Also ist es keine Manipulation. Anders herum wäre es schlimm gewesen, so aber nicht. Das machen auch andere Mannschaften. Ich glaube, dass ist nichts Außergewöhnliches.
Wie wirkt sich die Unruhe auf die Leistung der Mannschaft aus?
Ich weiß es nicht, wir werden sehen, wie die Mannschaft die Unruhe der letzten Wochen wegen des Pokalspiels gegen den HSV verkraftet. Ich erwarte, dass die Mannschaft jetzt eine Trotzreaktion zeigt.
Glauben Sie, dass der Wettskandal dem deutschen Fußball geschadet hat?
Auf jeden Fall. Ich glaube, nicht nur dem deutschen Fußball, sondern auch dem Fußball in anderen Ländern. Dort wird man sich jetzt auch Gedanken darüber machen, ob alles sauber abläuft. Wie die Fans fühle auch ich mich betrogen. Das sind Dinge, die im Fußball nichts zu suchen haben.
Können Sie sich vorstellen, dass noch mehr Fälle bekannt werden?
Wir dürfen jetzt nicht alles schlecht machen. Es könnte durchaus sein, dass noch
mehr aufgedeckt wird. Aber wissen tue ich es auch nicht.
Der HSV ist jetzt durch den DFB mit dem Gesamtvolumen von 2 Millionen Euro dafür entschädigt worden, dass er in Paderborn in dem manipulierten Spiel aus dem DFB- Pokal geflogen ist. Hätten Sie auch noch einmal gegen den HSV gespielt?
Ja, das hätte ich gerne. Ich hätte aber auch nicht gewusst, wie man das hätte regeln sollen. Ich hatte schon vermutet, dass es zu einer finanziellen Entschädigung kommt.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 15. März 2005