Interview mit Harry Pleß (Trainer RW Oberhausen)

„Hoffen, dass wir nicht mit leeren Händen zurückfahren!“

RWO- Coach Harry Pleß im Gespräch

Sie sind erst seit Beginn dieser Saison Trainer in Oberhausen. Was hat Sie dazu bewogen, die Mannschaft zu übernehmen?
Als ich im letzten Sommer zu Rot- Weiß Oberhausen kam, waren alle Verträge mit den Spielern ausgelaufen, es gab keine Mannschaft! Es ging eigentlich nur darum, die Aufgabe eines Trainers im Verein zu besetzen. Das Traineramt bei einem Zweitligaabsteiger wie RWO zu übernehmen, war für mich reizvoll. Ich wusste, dass die finanziellen Möglichkeiten des Vereins sehr, sehr begrenzt sind. Ich wusste auch, dass es darum ging, mit relativ bescheidenen Mitteln eine junge Mannschaft aufzubauen, die sich bereits im ersten Jahr so zusammenfindet, dass sie den Klassenerhalt in der Regionalliga schaffen kann. Das war von vornherein unser Ziel.

Der Verein ist sanierungsbedürftig, er wird nach dem Rücktritt des Vorstandes von einem Notvorstand geführt. Wird Rot- Weiß Oberhausen "überleben"?
Das weiß ich nicht. Über alle finanziellen Sachen kann ich nichts sagen. Ich kann mich nur auf das Sportliche konzentrieren. Es hat sich auch ein Arbeitsteam gefunden, das im Hintergrund momentan alle Aufgaben wahrnimmt. Fakt ist, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt alle unsere Gehälter bekommen haben.

Was sind die Stärken, was die Schwächen Ihrer Mannschaft?
Wir sind natürlich noch eine sehr unerfahrene Truppe, die sich jetzt erst nach drei, vier Monaten so ein bisschen kennen gelernt und zusammengerauft hat. Unser Zusammenhalt ist stetig gewachsen, dies auch aufgrund der kleinen Erfolge, die wir in den letzten Wochen und Monaten erzielt haben.

Worin sehen Sie die Stärken von Holstein Kiel?
Ich kenne Kiel jetzt schon seit vielen Jahren - auch durch meine Zeit in Essen und Lüneburg - und hatte mit Kiel schon oft zu tun.
Was unsere Schwäche ist, ist Kiels Stärke: Holstein ist eine eingespielte, erfahrene Mannschaft mit etlichen Spielern, die Erst- und Zweitliga- Erfahrungen haben. Außerdem existieren für den Verein z.B. mit dem neuen Trainingszentrum gute Rahmenbedingungen. Ich denke, dass in Kiel auch neben dem Handball in der Stadt einiges wachsen kann.

Welchen anderen Verein würden Sie gerne mal trainieren?
Das weiß ich nicht. Ich bin jetzt in Oberhausen unter Vertrag und meine Aufgabe ist es, hier Rot- Weiß Oberhausen aufzubauen. Da habe ich jetzt im Moment genug zu tun!

Sie stehen mit Ihrem Team im unteren Tabellendrittel. Was ist Ihr Saisonziel?
Das allerwichtigste für uns ist, dass wir nicht absteigen. Platz 14 ist unser Ziel. Ob es am Ende dann doch der 12., 13. oder 14. Tabellenplatz ist, das spielt im Endeffekt keine Rolle. Am schönsten wäre es natürlich, bereits ein paar Spiele vor Schluss zu wissen, dass man die Liga gehalten hat. Ich bin realistisch, es wird für uns bis zum Ende ein enger Fight!

Wer steigt ab, wer steigt auf?
Das wird man am Ende sehen. Für den Aufstieg kommen sicherlich vier, fünf Mannschaften in Frage, für den Abstieg so etwa zehn Mannschaften.

Wie geht das Spiel Holstein Kiel- Rot- Weiß Oberhausen aus?
Wir haben im Hinspiel gegen Kiel ordentlich mitgespielt und sehr, sehr unglücklich 1:0 verloren. Inzwischen sehen wir, dass wir gegen eine Topmannschaft verloren haben!
Wir hoffen nun natürlich, dass wir aus Kiel nicht mit leeren Händen zurück nach Oberhausen fahren!

Das Interview mit Harry Pleß führte Henrik Heitmann.

Infos zu Harry Pleß:

Harry Pleß

Chef-Trainer

geboren am: 25.04.1958
in: Fürstenberg/Havel (Brandenburg)

war Abwehrspieler bei:

1979-1982 TSG Neustrelitz
1982-1989 Post Neubrandenburg
1989 Schifffahrt/Hafen Rostock
1989-1991 Lüneburger SK
1991-1996 Lüneburger SK (Spielertrainer)

Trainerstationen:

1996-2001 Lüneburger SK
2001-2003 RW Essen
2003-2004 FC Sachsen Leipzig
bei RWO seit: 01.07.2005

Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 3. Dezember 2005

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