Interview mit Klaus Toppmöller (Trainer des Hamburger SV)
„Unehrlichkeit regt mich auf!“
Juniorreporter Henrik Heitmann (13 Jahre) führte am 10. April 2004 nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund ein etwas anderes Interview mit Klaus Toppmöller.
Fragen zum Spiel:
Henrik: Wie fühlen Sie sich so kurz nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund?
Toppmöller: Ziemlich ausgebrannt. Man hat sich soviel vorgenommen, um hier zu gewinnen. Und nun muss man neidlos anerkennen, Borussia Dortmund war heute die bessere Mannschaft. Wir haben zu recht verloren.
Henrik: Was muss sich in der Mannschaft verbessern?
Toppmöller: Wir müssen besser Fußballspielen, d.h. vom technischen Spiel her müssen wir uns verbessern, besseres Platzspiel und besseres Zweikampfverhalten in der Defensive an den Tag legen. Wir waren viel zu weit von den Dortmundern weg, haben sie viel zu viel spielen lassen. Es gibt da noch viel zu verbessern...
Henrik: Welchen Platz wird der HSV am Ende der Saison erreichen?
Toppmöller: Ich hoffe, das wir unter die ersten acht kommen und uns über den UI- Cup noch für den UEFA- Cup qualifizieren können. Das ist schwer, aber wir wollen es versuchen.
Fußballfragen:
Henrik: Was war in Ihrer Fußballer- Laufbahn der dunkelste Moment?
Toppmöller: Alle Niederlagen sind immer die dunkelsten Momente. Als Trainer war es die Niederlage in der Champions- League gegen Real Madrid vor zwei Jahren. Wir waren die bessere Mannschaft und hätten auch gewinnen können. Das war eine bittere Niederlage.
Henrik: Welcher Star war Ihr erster Schwarm?
Toppmöller: Uwe Seeler und Fritz Walter. Sie waren die absoluten Top - Stars in Deutschland, als ich kleiner Junge war. Durch sie bin ich auch zum Fußball gekommen.
Henrik: Wenn Sie nicht Trainer wären, was wären Sie am liebsten?
Toppmöller: Es gibt keinen schöneren Beruf als Fußballspieler zu sein und danach Trainer zu werden. Der Trainerjob ist der tollste Beruf der Welt, auch wenn er manchmal mit viel Mühen, Kritik und harten Worten verbunden ist. Ich könnt mir gar nichts anderes vorstellen.
Henrik: Welche ist Ihre Lieblingsfußballmannschaft?
Toppmöller: Da gibt es viele. Als Jugendlicher hat man für Mannschaften wie CF Barcelona, Real Madrid und Inter Mailand geschwärmt, von den deutschen Teams aber auch für den HSV, der damals sehr erfolgreich war und einige Meisterschaften gewonnen hat. Als junger Kerl geht man immer mit denen, die am besten und erfolgreichsten Fußball spielen.
Henrik: Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich als Trainer in ein vollbesetztes Stadion komme, denke ich...
Toppmöller: ...dass ich den schönsten Beruf der Welt habe, das ich mich freue, gemeinsam mit den Fans möglichst viele Siege zu feiern.
Henrik: Was ist das besondere an Hamburg?
Toppmöller: Hamburg hat ein sehr schönes, fast immer ausverkauftes Stadion mit tollen Fans. Hier gilt es, für die Zukunft wieder eine richtig gute Mannschaft auf die Beine zu stellen, die dann international mithalten kann.
Henrik: Was sagen Sie über die Hamburger Presse?
Toppmöller: Die sind leider Gottes seit dem ersten Tag, seitdem ich hier bin, nicht so sehr meine Freunde. Sie haben eine zu hohe Erwartungshaltung.
Hamburg ist eine sehr schöne Weltstadt, aber die Fußballmannschaft ist da in den letzten Jahren nicht so mitgewachsen.
Henrik : Was hätten Sie gerne von Ottmar Hitzfeld?
Toppmöller: Die Titel...!
Zur Person:
Henrik: Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Toppmöller: Oh, die Freizeit ist ganz, ganz knapp bemessen. Wenn ich dir den Verlauf der Woche wiedergeben würde: von morgens bis abends nur Verein. Wenn dann doch mal ein paar Stündchen frei sind, widme ich sie der Familie. Ich bin ein Familienmensch, der gerne seine Frau und seine Kinder um sich herum hat. Die Zeit nutze ich dann intensiv.
Henrik: Was ist Ihr Lieblingsurlaubsort?
Toppmöller: Ich fahre schon seit 23 Jahren in die USA, denn da ist man auch als berühmter Fußballer oder Trainer unerkannt. Ich kann mich dort genauso normal bewegen wie jeder andere Mensch.
Henrik: Welchen Luxus gönnen Sie sich?
Toppmöller: An sich gar keinen. Ich bin kein „Luxuskoster“. Ich will nur ein ganz normaler Mensch sein, der mit seinen Schwächen und Stärken durch die Welt geht. Ich will so anerkannt werden, wie ich bin.
Henrik: Worauf können Sie nicht verzichten?
Toppmöller: Ich könnte auf Familie und Fußball nicht verzichten, wobei die Familie ganz klar an erster Stelle steht.
Henrik: Wann weinen Sie?
Toppmöller: Bei traurigen Anlässen, bei schweren Krankheiten oder Todesfällen von Menschen, die man gut kennt. Aber auch bei einem traurigen Kinofilm kommt es schon mal vor.
Henrik: Wie entspannen Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Toppmöller: Mit einem Bierchen und sehr gutem Essen. Dann komme ich meistens erst sehr spät ins Bett.
Henrik: Welchen Schlagertext können Sie auswendig singen?
Toppmöller: Viele. Denn neben Fußball und Schule stand in meiner Jugend die Musik im Mittelpunkt. Ich kann heute noch viele Lieder auswendig, und zwar Rockmusik, Volkslieder, alle Musikrichtungen querbeet. Ich glaube, ich habe so auch Englisch gelernt, denn ich habe mir die Texte z.B. von den Beatles und Rolling Stones ins Deutsche übersetzt. Wenn ich heute in einer Gesellschaft bin, muss ich in der Regel immer die Texte vorsingen!
Henrik: Welche 3 Sachen würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Toppmöller: Keine Frage, die Familie natürlich! Ein Fußball sollte aber schon dabei sein. Und ein Koch, der mir das Essen zubereiten müsste, weil ich da ein bisschen hilflos bin.
Henrik: Welche Macken regen Sie bei anderen Menschen auf?
Toppmöller: Unehrlichkeit!
Henrik : Wen finden Sie bekloppt?
Toppmöller: Jeder hat auf seine Art und Weise einen kleinen Tick, und deshalb finde ich gar keinen bekloppt.
Henrik: Wen bewundern Sie am meisten?
Toppmöller: Meine Eltern. Sie haben mir im Prinzip alles beigebracht, hatten Geduld, haben geschuftet und mir so ermöglicht, dass ich diesen Job heute ausüben darf.
Henrik: Mit wem möchten Sie einmal zusammen frühstücken?
Toppmöller: Am liebsten jeden Morgen mit meiner Familie.
Henrik : Was ist Ihre größte Stärke und was Ihre größte Schwäche?
Toppmöller: Ich bin sehr gradlinig und direkt. Es ist manchmal hart, die Wahrheit zu ertragen. Ich bin offen und ehrlich.
Schwächen? Also, das Rauchen könnte ich mir schon mal abgewöhnen...
Henrik: Wofür würden Sie als Politiker sofort sorgen?
Toppmöller: Das die Arbeitslosen von der Straße kommen und jeder seinen Job hat. Wir Deutschen sind ein Volk, das arbeiten will. Wir haben einfach viel zu viele Arbeitslose.
Henrik: Sind Sie gerne Deutscher?
Toppmöller: Ja , absolut. Ich bin schon ein bisschen Patriot. Ich bin stolz, Deutscher zu sein. Ich bin aber auch Europäer. Ich habe viele ausländischen Freunde.
Henrik: Wer ist für Sie die schönste Frau der Welt (außer Ihrer Frau natürlich!)?
Toppmöller: Da gibt es sehr viele schöne Frauen! Früher habe ich von Liz Taylor geschwärmt, Raquel Welch, Claudia Cardinale. Das waren so die ersten tollen Frauen, die man im Kino damals gesehen hat. Heute gibt es auch tolle Modells wie Claudia Schiffer, Heidi Klum, Ellen McPherson. Das sind schon tolle Frauen, da guckt man schon mal gerne zweimal hin.
Henrik: Möchten Sie Ihre Frau sein? Warum?
Toppmöller: Ja, absolut. Weil ich - wie ich glaube - ein toller Hecht bin! (schmunzelnd)
Henrik: Mit wem würden Sie gerne mal eine Stunde im Fahrstuhl stecken bleiben?
Toppmöller: Ne, danke, da würde ich Angst bekommen! Gott sei dank ist das bisher auch nie passiert!
Henrik: Wie alt möchten Sie werden?
Toppmöller: So alt, dass ich immer noch klar denken, mich selbst verpflegen und alles noch intensiv machen kann. Da spielt das Alter keine Rolle. Wenn ich früh ein Pflegefall würde und anderen Leuten auf den „Keks“ ginge, dann würde ich mir schon wünschen, das alles schnell vorbei wäre. Das ist dann egal, wie alt man ist. Am liebsten wird natürlich jeder alt.
Ich freue mich darauf, jeden neuen Tag zu erleben. Ich bin an sich ein positiver Mensch.
Henrik: Was ist Ihr Lebensmotto?
Toppmöller: Leben und Leben lassen!
Henrik: Danke für das Interview!
Toppmöller: Bitte schön!