Interview mit Ulf Kirsten (Trainer Bayer 04 Leverkusen II)
Ulf Kirsten, genannt der Schwadde, war einer der besten deutschen Torjäger zu seiner Zeit. Seine Laufbahn begann 1983 bei SG Dynamo Dresden in der DDR-Oberliga. Dort erzielte er in 154 Spielen 57 Treffer. 1990 wechselte er zu dem Bundesligisten Bayer Leverkusen. In 350 Spielen erzielte er 182 Treffer und ist damit fünfter in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste. Außerdem holte er sich drei Mal die Torjägerkanone. Vor dem heutigen Spiel stellte sich der 100-fache Nationalspieler unserem Magazin zum Interview.
In den letzten Spieltagen verlor Ihre Mannschaft andauernd. Was haben Ihre Jungs falsch gemacht?
(lacht) Wir haben das Tor nicht getroffen. Im Ernst: Ich denke, dass wir trotz der Niederlagen ganz ordentliche Spiele abgeliefert haben. Mit den Gegnern konnten wir immer sehr gut mithalten. Doch die zweifelsohne in jedem Spiel vorhandenen Torchancen haben wir einfach nicht genutzt.
Wie wollen Sie die Kurve kriegen und es schaffen nicht abzusteigen?
Auf keinen Fall lassen wir uns jetzt aus der Ruhe bringen. Wir müssen unbesorgt weiter arbeiten. Natürlich ist es uns allen klar, dass wir ein junges Team haben. Aber meine Jungs sind lernfähig. Wenn irgendwann der Knoten platzt und wir den ersten Sieg einfahren, haben meine Jungs auch mehr Selbstvertrauen und gehen die Spiele etwas entspannter an.
Sie stehen mit Bayer Leverkusen auf dem letzten Tabellenplatz. Werden Sie Kanonenfutter für Holstein sein?
Kanonenfutter werden wir mit Sicherheit nicht sein. Letzte Saison haben wir zwei sehr gute Spiele gegen Kiel absolviert und waren streckenweise die bessere Mannschaft. Trotzdem haben wir durch zwei verschossene Elfmeter unglücklich verloren. Ich mache mir über Holstein Kiel gar keine Gedanken.
Erwarten Sie für das Spiel in Kiel Verstärkung aus dem Profikader?
Ich denke, nein. Wir haben in den letzten Wochen mit der Amateurmannschaft, ohne Hilfe aus dem Profikader, gespielt. Der Verein hat leider große Verletzungssorgen zu beklagen. Daher werden wir mit dem Kader, den ich jetzt zur Verfügung habe, auch in Kiel spielen.
Welche Spieler aus dem aktuellen Amateur- Kader haben das Zeug, in absehbarer Zeit den Sprung in den Profi- Kader zu schaffen?
Momentan ist das schwierig zu sagen. Der Sprung zum Profi kommt immer auf die Weiterentwicklung der Jungs an. Auch mit der Situation, in der wir uns gerade befinden, nämlich einem Abstiegsplatz, müssen sie zurecht kommen. Talentiert sind sie alle. Der eine oder andere, ohne jetzt Namen zu nennen, hat auch Chancen, in den Profikader zu kommen. Um den ganz großen Sprung zu schaffen, muss allerdings noch ein bisschen gearbeitet werden und das wird eine Weile dauern.
Sie sind jetzt schon sehr lange bei Bayer 04 Leverkusen verpflichtet. Wird es Ihnen dort nicht langweilig?
1990 bin ich bei Bayer 04 als Spielerprofi verpflichtet worden. 2003 endete dann meine sportliche Laufbahn, seither bin in dem Trainerbereich tätig. Das ist ja immer ein anderes Aufgabengebiet, in dem ich immer neue Erfahrungen sammeln kann. Außerdem fühle ich mich hier sehr wohl. Insofern wird mir hier nicht langweilig.
Auf lange Zeit kann ich das nicht überschauen. Mein Vertrag läuft nach Saisonende aus. Was danach passiert, weiß ich bis dato noch nicht.
Können Sie sich vorstellen, auch mal eine andere Mannschaft als die Leverkusener Amateure zu trainieren?
Klar kann ich mir das vorstellen. Aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe noch einen laufenden Vertrag, und da wäre es ja Blödsinn, wenn ich mich um andere Vereine kümmern würde.
Woher kommt Ihr Spitzname „Der Schwadde“?
Den habe ich schon ziemlich lange. Ich weiss aber nicht mehr, wer ihn mir verpasst hat. Auf einmal hatte ich halt den Spitznamen.
Veröffentlicht: Stadionmagazin des Regionalligisten Holstein Kiel , 30. September 2006